Eisen: Welche Formen gibt es und worin unterscheiden sie sich?

Kurz gesagt

  • Nahrungseisen liegt als Häm- und als Nicht-Häm-Eisen vor. Eine Mischkost liefert rund 90 Prozent des Eisens als Nicht-Häm-Eisen; für Häm-Eisen rechnet die EFSA (2015) mit etwa 25 Prozent Absorption.
  • Die Eisenverbindungen unterscheiden sich vor allem im Massenanteil an elementarem Eisen: Bei den in Präparaten gebräuchlichen Verbindungen reicht der berechnete Anteil von 11,6 Prozent (Eisengluconat-Dihydrat) bis 36,8 Prozent (wasserfreies Eisensulfat); elementares Eisen selbst enthält definitionsgemäß 100 Prozent (eigene Berechnung).
  • Wie viel Eisen aufgenommen wird, steuert der Eisenstatus stärker als die Salzform: Nach der in EFSA 2015 referierten Ratio-Methode entspricht ein Serumferritin von 60 Mikrogramm je Liter etwa 10 Prozent Absorption, ein Wert von 15 Mikrogramm je Liter etwa 30 Prozent.
  • Randomisierte Direktvergleiche zweier Eisenverbindungen bei identischer Elementardosis fehlen. In den Studien zu Eisenbisglycinat war die geprüfte Dosis überwiegend niedriger als im Vergleichsarm; in acht von neun Studien an Schwangeren 15 bis 30 Milligramm, in einer Studie 100 Milligramm. Die Vergleichsarme lagen überwiegend, aber nicht durchgängig höher: Sie reichten von 15 bis 115 Milligramm.
  • Die EFSA konnte 2024 keinen Tolerable Upper Intake Level ableiten und nennt stattdessen einen sicheren Zufuhrwert von 40 Milligramm je Tag für Erwachsene; das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel 6 Milligramm je Tagesverzehrempfehlung.

Welche Eisenformen kommen in Lebensmitteln und Präparaten vor?

Ernährungsphysiologisch werden zwei Formen unterschieden. Häm-Eisen ist zweiwertiges Eisen im Zentrum eines Protoporphyrin-IX-Rings und stammt aus Hämoglobin und Myoglobin tierischer Lebensmittel. Nicht-Häm-Eisen ist anorganisch oder locker an Nahrungsbestandteile gebundenes zwei- und dreiwertiges Eisen. Nahrungsergänzungsmittel enthalten praktisch ausschließlich Nicht-Häm-Eisen als definierte Salze oder Chelate. Eine Mischkost liefert nach EFSA (2015) rund 90 Prozent des Eisens in dieser Form; auch tierische Lebensmittel bestehen nicht nur aus Häm-Eisen, das bei Rindfleisch 69 Prozent, bei Huhn und Fisch je 26 Prozent des Gesamteisens ausmacht.

Die Aufnahmewege unterscheiden sich. Nicht-Häm-Eisen wird durch die luminale Ferrireduktase DcytB in die zweiwertige Stufe reduziert und dann protonengekoppelt über den Transporter DMT1 aufgenommen. Für Häm-Eisen ist der Mechanismus ungeklärt; das früher als Häm-Transporter postulierte HCP1 gilt heute in erster Linie als Folattransporter. In der Zelle setzt die Hämoxygenase das Eisen frei, das damit in denselben austauschbaren Pool übergeht. Der Ausgang verläuft für beide Formen identisch über Ferroportin 1 und die Ferroxidase Hephaestin.

Für Häm-Eisen nennt die EFSA einen Absorptionsrichtwert von etwa 25 Prozent. Die oft zitierten 37,3 Prozent stammen aus einer Teilserie von acht nicht-anämischen Männern innerhalb einer Studie an 32 jungen Männern (Björn-Rasmussen und Kollegen, 1974); die Nicht-Häm-Absorption lag dort bei 5,3 Prozent. Eine feste Relation ist das nicht, denn auch die Häm-Absorption hängt vom Eisenstatus ab: Bei Hallberg und Kollegen (1997) lag sie bei zwölf Blutspendern mit einem Serumferritin von 37 Mikrogramm je Liter bei 35 Prozent, bei 19 Nichtspendern mit 91 Mikrogramm je Liter bei 23 Prozent.

Wie unterscheiden sich zwei- und dreiwertiges Eisen?

Dreiwertiges Eisen fällt bei neutralem pH-Wert als schwerlösliches Hydroxid aus, zweiwertiges bleibt löslich; zudem transportiert DMT1 ausschließlich zweiwertige Metallionen, sodass die Reduktion durch DcytB ein obligater Zwischenschritt ist. Das NIH Office of Dietary Supplements leitet daraus ab, zweiwertiges Eisen sei aufgrund seiner höheren Löslichkeit besser bioverfügbar. Eine Humanstudie, die ein Fe(II)- und ein Fe(III)-Salz bei gleicher Elementardosis mit Isotopenmethodik vergleicht, liegt allerdings nicht vor: Die Aussage ist mechanistisch und behördlich gestützt, aber ohne belastbare Verhältniszahl. Was der Begriff Bioverfügbarkeit im Detail bezeichnet, ist an anderer Stelle beschrieben.

Welche Eisenverbindungen sind in der EU zugelassen?

Maßgeblich ist Anhang II Abschnitt B der Richtlinie 2002/46/EG. Er listet in der konsolidierten Fassung vom 26. November 2025 neunzehn Eisenverbindungen, darunter Eisencarbonat, Eisencitrat, Eisengluconat, Eisenfumarat, Eisensulfat, Eisendiphosphat (Eisenpyrophosphat), elementares Eisen, Eisenbisglycinat, Eisen-L-pidolat, Eisenphosphat, Eisen(III)-Natrium-EDTA und Eisen(II)-taurat. Eisenbisglycinat, in der Werbung meist als Chelat bezeichnet, wurde erst durch die Richtlinie 2006/37/EG der Kommission vom 30. März 2006 eingefügt (ABl. L 94 vom 1.4.2006, S. 32–33).

Wesentlich für die Einordnung: Die Aufnahme in Anhang II ist eine Entscheidung über Sicherheit und Eignung als Nährstoffquelle und sagt nichts über Bioverfügbarkeit oder Wirksamkeit aus. Elementares Eisen und Eisenpyrophosphat stehen dort neben Eisensulfat, obwohl das BfR ihre Bioverfügbarkeit gegenüber wasserlöslichen Verbindungen als im Allgemeinen gering einstuft. Eisen-L-pidolat, Eisenphosphat und Eisen(II)-taurat dürfen nach Darstellung der EFSA zudem nur in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden, nicht in angereicherten Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs.

Wie viel Eisen steckt in einer Eisenverbindung?

Der Massenanteil an elementarem Eisen ist der einzige Unterschied zwischen den Verbindungen, der sich ohne Studien exakt beziffern lässt. Die folgenden Werte sind eigene Berechnungen aus den IUPAC-Atomgewichten; pharmakopöische Spezifikationen wurden nicht geprüft.

Der Eisenanteil einer Verbindung schwankt um mehr als das Dreifache — und hängt zusätzlich vom Hydratationsgrad ab

Berechneter Massenanteil elementaren Eisens je Verbindung20,1 %36,8 %32,9 %32,9 %27,4 %12,5 %11,6 %30,0 %Eisensulfat(Heptahydrat)Eisensulfat(wasserfrei)Eisensulfat(Monohydrat)EisenfumaratEisenbisglycinatEisengluconat(wasserfrei)Eisengluconat(Dihydrat)Eisenpyrophosphat(wasserfrei)010203040Massenanteil Eisen in Prozent
Eigene Berechnung aus IUPAC-Atomgewichten, Stand August 2026. Keine Messwerte, keine Aussage über die Aufnahme im Körper. Pharmakopöische Spezifikationen und handelsübliche Hydratformen wurden nicht geprüft.

Zwei Punkte sind leicht zu übersehen. Erstens entscheidet der Hydratationsgrad: Die häufig genannten 20 Prozent für Eisensulfat gelten für das Heptahydrat, getrocknetes Eisensulfat als Monohydrat enthält 32,9 Prozent. Wer aus einer Milligrammangabe der Verbindung auf elementares Eisen zurückrechnet, ohne die Hydratform zu kennen, kann sich um den Faktor 1,6 irren. Zweitens ist diese Rechnung gar nicht nötig: Artikel 8 der Richtlinie 2002/46/EG verlangt die Deklaration der Mineralstoffmenge je empfohlener Tagesdosis, Anhang I nennt dafür „Eisen (mg)“. Auf dem Etikett steht also ohnehin das elementare Eisen.

Verbindung Fe-Anteil (berechnet) EU-Zulassung nach Anhang II Human­evidenz zur Bio­verfüg­barkeit
Eisen(II)-sulfat (Hepta­hydrat / wasser­frei / Mono­hydrat) 20,1 % / 36,8 % / 32,9 % ja, seit der Ursprungs­fassung 2002 Referenz­standard der Isotopen­studien; Absorption wird status­abhängig hoch­reguliert (Zimmermann et al. 2011)
Eisen(II)-fumarat 32,9 % ja kein auffind­barer randomi­sierter Direkt­vergleich bei gleicher Elementar­dosis
Eisen(II)-gluconat (wasser­frei / Di­hydrat) 12,5 % / 11,6 % ja keine belast­bare ver­gleichende Human­studie auffindbar
Eisen­bisglycinat 27,4 % ja, eingefügt durch Richt­linie 2006/37/EG gemischt: Vorteil in phytat­reicher Matrix, kein Vorteil in phytat­armer Matrix, negativ im größten Non-Inferiority-Versuch
Eisen(III)-pyro­phosphat (wasser­frei / Nona­hydrat) 30,0 % / 24,6 % ja, als Eisen­diphosphat Absorption wird bei Eisen­mangel nicht hoch­reguliert (Zimmermann et al. 2011); BfR: Bio­verfüg­barkeit partikel­größen­abhängig
Elementares Eisen (Carbonyl, elektro­lytisch, wasser­stoff­reduziert) 100 % (definitions­gemäß) ja BfR: Bio­verfüg­barkeit variabel und generell gering

Fe-Anteile: eigene Berechnung aus IUPAC-Atomgewichten. Zulassungsstatus: Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II Abschnitt B, konsolidierte Fassung vom 26.11.2025.

Was steuert die Aufnahme stärker: die Verbindung oder der Eisenstatus?

Diese Frage ist bei Eisen ungewöhnlich klar zu beantworten. Der Körper besitzt keinen physiologischen Mechanismus, um Eisen aktiv auszuscheiden; die gesamte Bilanz wird über die Aufnahme geregelt, und diese Regelung ist kräftig genug, um Unterschiede zwischen Salzformen zu überlagern.

Zentral ist die Hepcidin-Ferroportin-Achse. Hepcidin ist ein in der Leber gebildetes Peptidhormon, Ferroportin der einzige bekannte zelluläre Eisenexporteur. Hepcidin leitet dessen Abbau ein; das in der Darmzelle festgehaltene Eisen wird in Ferritin gespeichert und mit der Zelle wieder abgestoßen. Hepcidin sinkt bei niedrigen Speichern und gesteigerter Blutbildung und steigt bei gefüllten Speichern sowie bei Entzündung — die EFSA hält fest, dass die Entzündungsantwort die Anpassung an eine unzureichende Zufuhr überlagert. Die Hepcidin-Antwort setzt binnen etwa acht Stunden ein, die Umprogrammierung der Darmzellen dauert ein bis zwei Tage.

Wie stark diese Regelung ist, zeigen zwei Auswertungen. Hallberg und Kollegen maßen 1997 über fünf Tage die Absorption aus der Gesamtkost bei 31 gesunden Männern und fanden eine gute inverse Beziehung zwischen Absorption und Serumferritin bis etwa 60 Mikrogramm je Liter; oberhalb dieses Wertes bestand keine Beziehung mehr. Die EFSA quantifiziert dieselbe Beziehung 2015 auf zwei Wegen: nach dem Modell von Dainty und Kollegen (2014) entspricht ein Serumferritin von 60 Mikrogramm je Liter einer Absorption von 11 Prozent, ein Wert von 30 Mikrogramm je Liter einer von 18 Prozent bei Frauen und 16 Prozent bei Männern; nach der Ratio-Methode von Cook und Kollegen (1991) ergeben sich für 60, 45, 30 und 15 Mikrogramm je Liter Werte von 10, 13, 20 und 30 Prozent.

Mit sinkendem Serumferritin verdreifacht sich die rechnerische Eisenabsorption

Rechnerische Eisenabsorption in Abhängigkeit vom Serumferritin30 %20 %13 %10 %010203015304560Serumferritin in Mikrogramm je LiterAbsorption in Prozent
Rechenwerte nach der Ratio-Methode (Cook et al. 1991), referiert in EFSA 2015. Modellwerte aus Bevölkerungsdaten, keine gemessenen Einzelwerte; sie gelten für die Gesamtkost, nicht für ein einzelnes Präparat.

Dass die Regulation die Salzform überlagert, zeigt sich auch dort, wo sie ausfällt. Zimmermann und Kollegen prüften 2011 mit stabilen Isotopen an 49 jungen Frauen sowie in der Neuauswertung zweier Wirksamkeitsstudien an 258 Kindern, wie der Eisenstatus die Aufnahme beeinflusst. Das Plasmaferritin war ein starker negativer Prädiktor der Bioverfügbarkeit aus Eisensulfat, nicht aber aus Eisenpyrophosphat. Aus Eisenpyrophosphat kann der Körper bei Mangel also nicht mehr herausholen. Hurrell und Egli formulierten 2010 allgemein, dass der Eisenstatus in der Regel einen größeren Effekt hat als die Zusammensetzung der Kost.

Spielt der Einnahmerhythmus eine Rolle?

Weil Hepcidin verzögert reagiert, liegt die Vermutung nahe, dass eine Gabe an jedem zweiten Tag effizienter ist. Stoffel und Kollegen prüften das 2017 in zwei offenen randomisierten Studien. In der ersten erhielten 40 eisenverarmte Frauen mit einem Serumferritin bis 25 Mikrogramm je Liter jeweils 60 Milligramm Eisen als isotopenmarkiertes Eisensulfat, entweder an 14 aufeinanderfolgenden oder an 28 alternierenden Tagen.

Alternierende Gabe erhöht die fraktionelle Absorption — der Zeitraum ist dabei doppelt so lang

Konsekutive gegenüber alternierender Eisengabe16,3 %21,8 %14 Tage täglich28 Tage alternierend0510152025Fraktionelle Absorption (%)131,0 mg175,3 mg14 Tage täglich28 Tage alternierend050100150200Absorbiertes Eisen gesamt (mg)
Stoffel et al. 2017, offene randomisierte Studie, 40 eisenverarmte, nicht anämische Frauen zwischen 18 und 40 Jahren, 60 mg Eisen als Eisensulfat. Geometrische Mittelwerte. Endpunkt ist die Absorption, nicht Hämoglobin oder Ferritin; die Vergleichszeiträume sind unterschiedlich lang.

Die kumulative fraktionelle Absorption lag bei alternierender Gabe bei 21,8 Prozent gegenüber 16,3 Prozent, die kumulativ absorbierte Menge bei 175,3 gegenüber 131,0 Milligramm. Die Befunde sind statistisch klar, aber eng begrenzt: offene Studie ohne Verblindung, nur Frauen zwischen 18 und 40 Jahren, kleine Fallzahl, nur Eisensulfat geprüft. Ob sich der Absorptionsvorteil in klinische Endpunkte übersetzt, ist nicht gezeigt: Eine Metaanalyse von Dhanvijay und Kollegen (2025) fasste elf randomisierte Studien mit 1.014 Personen zusammen und fand einen kleinen, nicht signifikanten Hämoglobin-Vorteil zugunsten der täglichen Gabe; die Sicherheit der Evidenz stufen die Autoren als sehr niedrig ein. Wie solche Unterschiede einzuordnen sind, zeigen die Kriterien zur Bewertung von Studien.

Was zeigen Humanstudien zum Vergleich einzelner Verbindungen?

Die meiste Aufmerksamkeit hat Eisenbisglycinat erhalten; die Datenlage dazu ist uneinheitlich. Für einen Vorteil spricht eine Isotopenstudie von Bovell-Benjamin und Kollegen (2000): In phytatreichem Vollkornmaisbrei nahmen zehn eisenreplete Männer aus Bisglycinat 6,0 Prozent des Eisens auf, aus Eisensulfat 1,7 Prozent. In zwei weiteren Teilserien an 23 Personen mit unterschiedlichem Eisenstatus, in denen 3 Milligramm Eisen sowohl in Wasserlösung als auch im Brei geprüft wurden, kehrte sich das Bild um: Über beide Matrizes hinweg lagen die geometrischen Mittel bei 32,5 Prozent für Eisenascorbat und 9,1 Prozent für Bisglycinat, während Ferritrisglycinat, ebenfalls ein Chelat, aus Mais nur 2,3 Prozent lieferte. Passend dazu fand die von der EFSA referierte Arbeit von Fox und Kollegen (1998) bei phytatarmer Beikost keinen Unterschied zwischen Eisensulfat und Eisenglycinat, bei phytatreicher Getreidebeikost dagegen einen Vorteil für das Glycinat. Der Vorteil zeigt sich also in hemmstoffreicher Matrix; „Chelat“ allein ist kein Gütesiegel.

Auf klinischer Ebene weisen zwei Arbeiten derselben Arbeitsgruppe in unterschiedliche Richtungen. Die Metaanalyse von Fischer und Kollegen (2023) wertete 17 randomisierte Studien mit 2.191 Personen aus und fand bei Schwangeren ein höheres Hämoglobin unter Bisglycinat sowie seltenere Magen-Darm-Ereignisse, bei Kindern dagegen keine Unterschiede. Entscheidend ist die Dosisfrage: Die Bisglycinat-Arme erhielten bei Schwangeren in acht von neun Studien 15 bis 30 Milligramm täglich, in einer Studie 100 Milligramm; die Vergleichsarme 40 bis 100 Milligramm als Sulfat, 66 bis 115 Milligramm als Fumarat, daneben aber auch Natriumfereedetat mit 33 Milligramm und ein Eisen-Multi-Aminosäure-Chelat mit 15 Milligramm. Über alle neun Studien reichen die Vergleichsdosen damit von 15 bis 115 Milligramm. In den meisten Studien mit niedriger Bisglycinat-Dosis ist der Vorteil deshalb von einer Dosisreduktion nicht zu trennen; in zwei Studien erhielten beide Arme jedoch nahezu dieselbe Elementardosis.

Die zweite Arbeit prüfte genau das. In einem doppelblinden, placebokontrollierten Non-Inferiority-Versuch an 480 nicht schwangeren Frauen in Kambodscha standen über zwölf Wochen 60 Milligramm Eisen als Eisensulfat gegen 18 Milligramm als Eisenbisglycinat. Das Serumferritin lag am Ende unter Sulfat bei 99 Mikrogramm je Liter, unter Bisglycinat bei 84 und unter Placebo bei 78; die Autoren schließen, dass 18 Milligramm Bisglycinat nicht so wirksam waren wie 60 Milligramm Eisensulfat. Für andere Verbindungen ist die Lage dünner: Ein randomisierter Direktvergleich von Eisensulfat und Eisenfumarat bei gleicher Elementardosis ließ sich ebenso wenig auffinden wie eine belastbare vergleichende Humanstudie zu Eisengluconat. Nahezu alle Vergleichsdaten stammen zudem aus Mangel- oder Schwangerschaftspopulationen und sind auf eisenreplete Erwachsene nicht übertragbar.

Wie verträglich sind Eisenpräparate?

Magen-Darm-Beschwerden unter oralem Eisen sind gut dokumentiert. Die Metaanalyse von Tolkien und Kollegen (2015) fasste 43 randomisierte Studien mit 6.831 Erwachsenen zusammen: Eisensulfat war gegenüber Placebo mit einem Odds Ratio von 2,32 assoziiert, gegenüber intravenösem Eisen mit 3,05. Die Beschwerden sind also kein Artefakt des Vergleichspräparats. Zugleich ergab die Metaregression keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Dosis und Odds Ratio.

Andere Daten weisen in die Gegenrichtung. Milman und Bergholt werteten 2024 zwei randomisierte Doppelblindstudien mit zusammen 482 Schwangeren aus: Zwischen 20 und 60 Milligramm Eisen als Fumarat bestand kein Zusammenhang zwischen Dosis und Beschwerdehäufigkeit, erst 80 Milligramm waren mit signifikant häufigerer Verstopfung assoziiert. Die Häufigkeit schwarzer Stühle stieg dagegen mit der Dosis: 8 Prozent unter 25 Milligramm Bisglycinat, 22 Prozent unter 40 Milligramm Fumarat, 31 Prozent unter 50 Milligramm Sulfat. Wie hoch der Hintergrundanteil ist, zeigt dieselbe Auswertung: Bereits bei Studieneinschluss, ohne Supplementierung, berichteten 21 Prozent der Teilnehmerinnen Magen-Darm-Beschwerden.

Die EFSA benennt 2024 schwarze Stühle als einzigen Endpunkt mit ableitbarer Dosis-Wirkungs-Beziehung und stuft sie ausdrücklich als nicht per se schädlich ein; sie spiegeln unabsorbiertes Eisen im Darm. Das NIH Office of Dietary Supplements formuliert vorsichtig, dass Aminosäurechelate weniger Nebenwirkungen haben könnten, und beansprucht damit selbst keinen Beleg. Entscheidend bleibt: Eine randomisierte Studie, die zwei Eisenverbindungen bei identischer Elementardosis auf Verträglichkeit vergleicht, ließ sich nicht auffinden.

Welche Rolle spielen Hemmstoffe und Förderer aus der Nahrung?

Die bekanntesten Zahlen stammen von Hurrell und Kollegen (1999). Getränke mit 20 bis 50 Milligramm Gesamtpolyphenolen je Portion senkten die Absorption von Nicht-Häm-Eisen aus einer Brotmahlzeit um 50 bis 70 Prozent, Getränke mit 100 bis 400 Milligramm um 60 bis 90 Prozent; für Schwarztee lag die Hemmung bei 79 bis 94 Prozent. Weniger bekannt ist der Rest der Reihe: Pfefferminztee hemmte um 84 Prozent, Kakao um 71, Kamille um 47 Prozent. Die Empfehlung, statt Schwarztee lieber Kräutertee zu trinken, wird durch diese Arbeit nicht gestützt; Milchzusatz änderte die Hemmung kaum.

Phytat wirkt nach EFSA (2015) dosisabhängig und bereits bei sehr niedrigen Konzentrationen; Mahlen, Keimen und Fermentation bauen es ab. Calcium senkt in Einzelmahlzeiten die Aufnahme beider Eisenformen — in einer kleinen Brotmahlzeit bewirkten 165 Milligramm Calcium etwa 50 Prozent Hemmung, gleich ob als Calciumchlorid oder als 150 Milliliter Milch. Ascorbinsäure wirkt gegenläufig, indem sie dreiwertiges Eisen bei niedrigem pH-Wert reduziert und Komplexe bildet; auch Muskelfleisch und Leber fördern die Aufnahme, wobei die Natur dieses Fleischfaktors ungeklärt ist. Weitere Wechselwirkungen zwischen Mineralstoffen und Vitaminen folgen ähnlichen Mustern.

Der wichtigste Vorbehalt betrifft die Methodik: Fast alle dieser Zahlen stammen aus Einzelmahlzeitversuchen nach nächtlichem Fasten. Die EFSA hält fest, dass solche Versuche den Effekt fördernder und hemmender Nahrungsbestandteile übertreiben dürften, weil die Aufnahmeeffizienz nach Fasten maximal ist und eine einzelne Mahlzeit keine Anpassungsreaktion zulässt. In Langzeitinterventionen sei der Effekt abgeschwächt — bei Ascorbinsäure und Fleisch — oder nicht mehr nachweisbar, wie bei Calcium.

Welche Referenz- und Grenzwerte gelten?

Vier Werte werden regelmäßig genannt, und sie bedeuten Unterschiedliches. Die Referenzmenge für die Nährstoffzufuhr (NRV) von 14 Milligramm stammt aus Anhang XIII Teil A der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 und ist ein Kennzeichnungswert, kein Bedarfswert. Die Referenzwerte von EFSA und DGE sind Zufuhrempfehlungen für Bevölkerungsgruppen. Der sichere Zufuhrwert der EFSA und der Höchstmengenvorschlag des BfR sind Obergrenzen, keine Empfehlungen. Wie sich diese Kategorien voneinander abgrenzen lassen, ist gesondert dargestellt.

Gruppe EFSA 2015, PRI (mg/Tag) DGE, Ableitung 2023, empfohlene Zufuhr (mg/Tag)
Männer ab 19 Jahren 11 11
Frauen, prä­menopausal 16 16
Frauen, post­menopausal 11 14
Schwangere 16 (kein Mehr­bedarf ab­geleitet) 27
Stillende 16 16
Kinder 1 bis unter 4 Jahre 7 (1 bis 6 Jahre) 7
Jugendliche, weiblich, 13 bis unter 19 Jahre 13 (12 bis 17 Jahre) 16

EFSA NDA Panel 2015 (Population Reference Intake, angenommene Absorption 16 bis 18 Prozent bei einem Zielferritin von 30 µg/l); DGE, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Stand der Ableitung 2023. Die Altersklassen beider Gremien sind nicht deckungsgleich.

Bemerkenswert ist die Abweichung bei Schwangeren. Die EFSA leitet keinen Mehrbedarf ab und begründet dies mit dem Wegfall der Menstruationsverluste und der gesteigerten Absorptionseffizienz, die für Nicht-Häm-Eisen von 7,2 Prozent in den Wochen 0 bis 23 auf 36,3 Prozent in den Wochen 24 bis 35 und 66,1 Prozent in den Wochen 36 bis 40 steigt. Die DGE empfiehlt dagegen 27 Milligramm täglich. Zwei Gremien, zwei Ableitungswege — ein Beispiel dafür, dass Referenzwerte Setzungen sind und keine Messgrößen.

Bei den Obergrenzen hat sich die Lage 2024 verändert: Die EFSA konnte keinen Tolerable Upper Intake Level ableiten. Sie hält fest, dass eine systemische Eisenüberladung zu Organtoxizität führt, dass sich aber für die diskutierten chronischen Krankheitsrisiken keine Dosis-Wirkungs-Beziehung ergab. Auf Grundlage des einzigen auswertbaren Endpunkts nennt sie einen sicheren Zufuhrwert von 40 Milligramm je Tag für Erwachsene einschließlich Schwangerer und Stillender, für Kinder und Jugendliche je nach Alter 10 bis 35 Milligramm. Dieser Wert sagt nach Angabe der Behörde weniger aus als ein UL, weil die Zufuhrhöhe, ab der das Risiko zu steigen beginnt, nicht definiert ist.

Das BfR empfiehlt in seinem Dokument zu Höchstmengenvorschlägen für Eisen vom 15. März 2021 eine Höchstmenge von 6 Milligramm je Tagesverzehrempfehlung eines Nahrungsergänzungsmittels sowie einen Warnhinweis, dem zufolge Männer, postmenopausale Frauen und Schwangere Eisen nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen sollten. Für die Einordnung wichtig: Das Eisendokument stützt sich auf eine EFSA-Bewertung von 2004, die D-A-CH-Werte von 2015 und den US-amerikanischen UL von 2002; es datiert von 2021 und ist damit nicht aus der EFSA-Bewertung von 2024 hergeleitet. Das BfR empfiehlt, es setzt keine Rechtsnorm.

Wie wird der Eisenstatus im Labor abgebildet?

Weil der Eisenstatus die Aufnahme dominiert, ist er die Größe, an der sich die Frage nach der Verbindung überhaupt erst stellt. Ob und in welchem Umfang das im Einzelfall zutrifft, ist eine ärztlich zu klärende Frage; als Konzept lassen sich die Marker aber beschreiben. Serumferritin bildet die Füllung der Eisenspeicher halbquantitativ ab; die WHO nennt 2020 als Mangelschwellen unter anderem 15 Mikrogramm je Liter für menstruierende Frauen und 30 Mikrogramm je Liter für Männer und nicht menstruierende Frauen. Ferritin ist jedoch ein Akutphasenprotein: Die AWMF-Leitlinie 025/027 (Stand Mai 2024) hält fest, dass es mit Abstand zu einem akuten Infekt und gemeinsam mit Entzündungswerten wie dem CRP bewertet werden sollte. Der lösliche Transferrinrezeptor reflektiert den Status nach AWMF 025/021 weitgehend unabhängig von Begleiterkrankungen, ist aber testabhängig; Hämoglobin ist ein unspezifischer Spätmarker.

Dass ein einzelner Wert wenig trägt, zeigt eine in AWMF 025/027 referierte Beobachtung an US-amerikanischen Kleinkindern: Etwa ein Drittel wies ein erniedrigtes Ferritin auf, aber nur etwa zwei Prozent eine Eisenmangelanämie. Einen Sonderfall bildet die erbliche Hämochromatose, bei der die Regulation gestört ist; sie trägt die Begründung des BfR-Warnhinweises. Die genetische Anlage ist deutlich häufiger als die Erkrankung: Das BfR beziffert den Anteil homozygoter Träger in Deutschland auf 0,2 bis 0,6 Prozent, und nach Grosse und Kollegen (2018) entwickelt etwa einer von zehn männlichen C282Y-Homozygoten im Lauf des Lebens eine schwere Lebererkrankung, sofern die Überladung nicht früh erkannt und behandelt wird.

Was ist von Aussagen wie „sanftes Eisen“ zu halten?

Die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 lässt für Eisen sieben gesundheitsbezogene Angaben zu, darunter zur Bildung roter Blutkörperchen, zum Sauerstofftransport und zur Verringerung von Müdigkeit. Keine davon betrifft Verträglichkeit, Magenfreundlichkeit oder einen Aufnahmevorteil. Was bei zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben zulässig ist, ist damit klar umrissen.

Aussage Einordnung nach der geprüften Datenlage
„Sanftes Eisen“ Kein rechtlich definierter und kein wissen­schaftlich operationa­lisierter Begriff. Nicht prüfbar und daher nicht belegt. Die nächst­liegende belegte Aussage betrifft die Dosis, nicht die Verbindung.
„Chelat ist besser verträglich“ Teil­weise gestützt, aber von einer Dosis­reduktion nicht trennbar: In acht von neun Studien an Schwangeren erhielt der Bisglycinat-Arm weniger Elementar­eisen. Bei Kindern kein Unterschied.
„Eisen ohne Magen­probleme“ Durch die Evidenz nicht gedeckt. Eisen­sulfat lag gegenüber Placebo bei einem Odds Ratio von 2,32; für keine Verbindung ist ein Absinken auf Placebo­niveau belegt.
„Pflanzliches Eisen ist drei­wertig, tierisches zwei­wertig“ Chemisch unpräzise. Der relevante Unterschied ist Häm gegen Nicht-Häm; auch Häm-Eisen ist zwei­wertig, und tierische Lebens­mittel enthalten überwiegend Nicht-Häm-Eisen.
„In der EU zugelassen heißt gut verfügbar“ Unzutreffend. Anhang II der Richt­linie 2002/46/EG ist eine Quellen- und Sicherheits­liste ohne Aussage zur Bio­verfüg­barkeit.

Grundlage: Verordnung (EU) Nr. 432/2012; Richtlinie 2002/46/EG; Tolkien et al. 2015; Fischer et al. 2023; Milman und Bergholt 2024; EFSA 2015.

Fazit

Die zugelassenen Eisenverbindungen unterscheiden sich messbar im Massenanteil an elementarem Eisen und in ihrem Verhalten gegenüber Hemmstoffen aus der Nahrung. In dem, was am Ende im Körper ankommt, unterscheiden sie sich weit weniger deutlich, als es die Auslobungen nahelegen. Der bestbelegte Befund dieses Themenfelds ist ein anderer: Der Eisenstatus reguliert die Aufnahme über die Hepcidin-Ferroportin-Achse in einer Größenordnung, die Unterschiede zwischen Salzformen überlagert. Wo diese Regulation nicht greift, wie bei Eisenpyrophosphat, ist das ein Nachteil der Verbindung und kein Vorteil.

Zugleich ist die Vergleichsforschung schwächer, als die Marktkommunikation vermuten lässt: Es fehlt ein randomisierter Direktvergleich zweier Eisenverbindungen bei identischer Elementardosis, für die Wirksamkeit wie für die Verträglichkeit.

Häufige Fragen

Ist Häm-Eisen grundsätzlich besser verfügbar als Nicht-Häm-Eisen?

Im Mittel ja: Die EFSA rechnet für Häm-Eisen mit etwa 25 Prozent Absorption, für Nicht-Häm-Eisen mit deutlich weniger. Die Relation ist aber nicht fest, weil beide Werte vom Eisenstatus abhängen; die Nicht-Häm-Absorption steigt bei niedrigen Speichern rechnerisch auf 20 bis 30 Prozent.

Warum enthalten Präparate mit Eisengluconat mehr Substanz je Milligramm Eisen?

Weil der Gluconat-Rest schwer ist. Wasserfreies Eisengluconat enthält rechnerisch 12,5 Prozent elementares Eisen, wasserfreies Eisenfumarat dagegen 32,9 Prozent. Für dieselbe Menge Eisen wird also mehr Verbindung benötigt; auf dem Etikett steht ohnehin die Menge elementaren Eisens je Tagesdosis.

Bedeutet eine höhere Absorptionsrate automatisch ein besseres Ergebnis?

Nein. Absorptionsraten aus Isotopenstudien sind Surrogatparameter. Im bislang größten Vergleichsversuch erreichten 18 Milligramm Eisenbisglycinat trotz besserer Verfügbarkeit nicht die Ferritinwerte von 60 Milligramm Eisensulfat. Auch der Absorptionsvorteil alternierender Gabe hat sich in Metaanalysen klinischer Endpunkte bisher nicht bestätigt.

Wirkt sich Tee zur Mahlzeit stark auf die Eisenbilanz aus?

Für die einzelne Mahlzeit ist die Hemmung durch Polyphenole klar belegt und beträchtlich. Für die Tagesbilanz fällt sie geringer aus, weil die EFSA Einzelmahlzeitversuche als überzeichnend einstuft. Kräutertees hemmen im Übrigen ebenfalls, Pfefferminztee etwa so stark wie Schwarztee.

Quellen

  1. EFSA NDA Panel, Scientific Opinion on Dietary Reference Values for iron, EFSA Journal 2015;13(10):4254, DOI 10.2903/j.efsa.2015.4254.
  2. Turck D et al. (EFSA NDA Panel), Scientific opinion on the tolerable upper intake level for iron, EFSA Journal 2024;22(6):e8819, DOI 10.2903/j.efsa.2024.8819.
  3. EFSA AFC Panel, Opinion on ferrous bisglycinate as a source of iron, EFSA Journal 2006;4(1):299, DOI 10.2903/j.efsa.2006.299.
  4. Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II Abschnitt B, konsolidierte Fassung vom 26.11.2025, CELEX 02002L0046-20251126; Fundstelle: eur-lex.europa.eu.
  5. Richtlinie 2006/37/EG der Kommission vom 30. März 2006, ABl. L 94 vom 1.4.2006, S. 32–33; Fundstelle: eur-lex.europa.eu.
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