Kurz gesagt
- Der Phytatgehalt der Kost verändert die Zinkaufnahme stärker als die Wahl der Zinkverbindung. EFSA und DGE staffeln ihre Referenzwerte für Erwachsene deshalb nach der Phytatzufuhr.
- In der EU sind 16 Zinkverbindungen für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Sie unterscheiden sich rechnerisch vor allem im elementaren Zinkanteil, der von 14,4 Prozent bei Zinkgluconat bis 80,3 Prozent bei Zinkoxid reicht.
- Kontrollierte Isotopenstudien zum Formenvergleich liegen nur für Zinkcitrat, Zinkgluconat und Zinkoxid vor: nüchtern 61,3, 60,9 und 49,9 Prozent fraktionelle Absorption bei 15 Personen.
- Isotopendaten beim Menschen liegen nur für Zinkoxid, Zinksulfat, Zinkcitrat und Zinkgluconat vor; für die übrigen zwölf zugelassenen Verbindungen — darunter Zinkpicolinat und Zinkbisglycinat — fehlen sie.
- Die tolerierbare Gesamtzufuhr für Erwachsene liegt bei 25 mg pro Tag (SCF 2003); kritischer Endpunkt der Ableitung war der Kupferstatus.
Welche Zinkverbindungen sind in der EU zugelassen?
Anhang II der Richtlinie 2002/46/EG listet in der konsolidierten Fassung 16 Zinkverbindungen für Nahrungsergänzungsmittel: Zinkacetat, Zink-L-ascorbat, Zink-L-aspartat, Zinkbisglycinat, Zinkchlorid, Zinkcitrat, Zinkgluconat, Zinklactat, Zink-L-lysinat, Zinkmalat, Zink-mono-L-methioninsulfat, Zinkoxid, Zinkcarbonat, Zink-L-pidolat, Zinkpicolinat und Zinksulfat. Für die Anreicherung sonstiger Lebensmittel gilt eine engere Liste: Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1925/2006 nennt neun Verbindungen.
Sieben Formen sind damit auf Nahrungsergänzungsmittel beschränkt, darunter Zinkpicolinat; die EFSA benannte diese Abgrenzung 2014 ausdrücklich. Zinkbisglycinat steht dagegen in beiden Listen. Beide sind Positivlisten: Sie enthalten keine Rangfolge und keine Bewertung der Aufnahme.
Wie viel Zink steckt in einer Zinkverbindung?
Der elementare Zinkanteil ergibt sich rechnerisch aus der Molmasse und reicht von 14,4 Prozent bei Zinkgluconat bis 80,3 Prozent bei Zinkoxid. Für 10 mg elementares Zink werden entsprechend 69,7 mg Zinkgluconat, aber nur 12,4 mg Zinkoxid benötigt. Das ist der einzige Unterschied zwischen den Formen, der sich ohne Studien exakt beziffern lässt.
Der elementare Zinkanteil unterscheidet sich zwischen den zehn Verbindungen mit definierter Summenformel um mehr als das Fünffache
Die Hydratstufe entscheidet dabei stärker als der Name der Verbindung. Zinksulfat enthält wasserfrei 40,5 Prozent Zink, als Heptahydrat nur 22,7 Prozent — ein Faktor von 1,8 bei identischer Bezeichnung, und die Richtlinie 2002/46/EG nennt schlicht „Zinksulfat“ ohne Hydratstufe. Vergleichbar ist deshalb allein die Angabe des elementaren Zinkgehalts, nicht die Menge der Verbindung.
Publizierte Übersichten geben teils leicht abweichende Anteile an, für Zinkpicolinat etwa 21 statt 21,1 Prozent. Bei „Zinkglycinat“ nennt eine Übersicht von 2024 dagegen 25 Prozent; dieser Wert lässt sich aus keiner definierten Stöchiometrie ableiten. Der berechnete Wert von 52,1 Prozent für Zinkcarbonat gilt nur für reines ZnCO₃ — kommerziell wird meist basisches Zinkcarbonat mit variabler Zusammensetzung eingesetzt.
Wie gut wird Zink aus den verschiedenen Verbindungen aufgenommen?
Belastbare Vergleichsdaten beim Menschen existieren nur für vier Verbindungen: Zinkcitrat, Zinkgluconat, Zinkoxid und Zinksulfat. Nüchtern eingenommen unterscheiden sich Zinkcitrat und Zinkgluconat auf der einen und Zinkoxid auf der anderen Seite um rund elf Prozentpunkte fraktionelle Absorption. In angereicherten Lebensmitteln verschwindet auch dieser Unterschied, und zwischen Zinkoxid und Zinksulfat war dort von vornherein keiner zu finden. Für die übrigen zwölf zugelassenen Formen liegen keine Isotopendaten vor.
Was zeigen die Stabilisotopenstudien?
Die einzige kontrollierte Isotopenstudie zum direkten Formenvergleich stammt von Wegmüller und Kollegen aus dem Jahr 2014: randomisiertes, doppelt verblindetes Crossover-Design, 15 gesunde Erwachsene, jeweils 10 mg Zink nüchtern, ausgewertet über eine Doppelisotopen-Tracer-Ratio. Die mediane fraktionelle Absorption betrug 61,3 Prozent für Zinkcitrat, 60,9 Prozent für Zinkgluconat und 49,9 Prozent für Zinkoxid. Citrat und Gluconat lagen jeweils signifikant über Oxid, unterschieden sich untereinander aber nicht. Als Einschränkungen nennen die Autoren die kleine Stichprobe und drei Ausreißer in der Oxid-Gruppe.
Vier weitere Isotopenstudien verglichen Zinkoxid und Zinksulfat in angereicherten Lebensmitteln: Herman und Kollegen 2002 in Klößen aus angereichertem Weizenmehl bei 90 rekrutierten und 86 ausgewerteten indonesischen Kindern, López de Romaña und Kollegen 2003 in Brot und Porridge bei 22 Erwachsenen, Hotz und Kollegen 2005 in Maistortillas bei 42 mexikanischen Frauen und Rosado und Kollegen 2012 in Maistortillas bei zehn Frauen. Keine fand in der Zinkabsorption einen Unterschied zwischen den Salzen; entscheidend war der Phytatgehalt der Matrix. Für die Eisenabsorption gilt das nicht: Bei Herman und Kollegen senkte ausgerechnet Zinksulfat sie, Zinkoxid dagegen nicht. Was Bioverfügbarkeit genau bezeichnet und wie sie gemessen wird, ist für die Einordnung wesentlich: Plasmaspiegel und Isotopenmarkierung beantworten unterschiedliche Fragen.
Wie belastbar sind die Studien zu Chelaten und Picolinat?
Deutlich weniger belastbar. Für Zinkbisglycinat liegen zwei Untersuchungen ohne Isotopenmethodik vor: eine pharmakokinetische Crossover-Studie an zwölf Frauen und eine randomisierte Parallelstudie an 30 Frauen mit 60 mg Zink pro Tag. Beide fielen zugunsten des Bisglycinats gegenüber Gluconat aus; die Dosis der zweiten liegt beim 2,4-Fachen der tolerierbaren Gesamtzufuhr.
Für Zinkpicolinat existiert eine einzige Primärquelle, eine Crossover-Studie von 1987 an 15 Personen mit 50 mg Zink pro Tag. Erhöht waren Haar-, Urin- und Erythrozytenzink, das Serumzink blieb unverändert; diese Surrogatmarker gelten nach einer systematischen Übersicht von 2009 nicht als validiert, und eine Replikation gibt es nicht.
Die EFSA verlangt für die Bewertung einer Zinkquelle den Vergleich gegen eine etablierte Quelle. Fehlt er, heißt es wie 2022 bei Zink-L-Carnosin, die Bioverfügbarkeit sei nicht bestimmt worden. Die häufig zitierte Übersichtsarbeit von 2024, die Glycinat und Gluconat als am besten aufgenommen einordnet, wurde von Mitarbeitenden eines Nahrungsergänzungsmittelherstellers (Pharmavite LLC) verfasst und fand insgesamt nur 14 Vergleichsstudien mit 6 bis 90 Personen.
| Verbindung | Zinkanteil (berechnet) | EU-Zulassung | Vergleichsdaten beim Menschen |
|---|---|---|---|
| Zinkoxid | 80,3 % | Nahrungsergänzungsmittel und Anreicherung | Nüchtern 49,9 % fraktionelle Absorption; in Lebensmitteln kein Unterschied zu Sulfat |
| Zinksulfat (wasserfrei / Heptahydrat) | 40,5 % / 22,7 % | Nahrungsergänzungsmittel und Anreicherung | In angereicherten Lebensmitteln kein Unterschied zu Oxid; kein Isotopenvergleich zu Citrat oder Gluconat |
| Zinkcitrat-Dihydrat | 32,1 % | Nahrungsergänzungsmittel und Anreicherung | 61,3 % nüchtern (Isotope, n = 15); kein Unterschied zu Gluconat |
| Zinkgluconat | 14,4 % | Nahrungsergänzungsmittel und Anreicherung | 60,9 % nüchtern (Isotope, n = 15) |
| Zinkbisglycinat | 30,6 % | Nahrungsergänzungsmittel und Anreicherung | Keine Isotopendaten; zwei kleine Studien mit nicht validierten Endpunkten |
| Zinkacetat-Dihydrat | 29,8 % | Nahrungsergänzungsmittel und Anreicherung | Keine Isotopendaten; eine pharmakokinetische Studie (n = 10) |
| Zinkpicolinat | 21,1 % | nur Nahrungsergänzungsmittel | Eine Studie von 1987 (n = 15), keine Isotope, Serumzink unverändert, nie repliziert |
| Zinkchlorid | 48,0 % | Nahrungsergänzungsmittel und Anreicherung | Keine Humanvergleichsdaten gefunden |
| Zinklactat | 26,9 % | Nahrungsergänzungsmittel und Anreicherung | Keine Humanvergleichsdaten gefunden |
| Zinkcarbonat | 52,1 % | Nahrungsergänzungsmittel und Anreicherung | Keine Humanvergleichsdaten; Handelsware meist basisches Carbonat |
| Zink-L-ascorbat, -L-aspartat, -L-lysinat, -malat, -mono-L-methioninsulfat, -L-pidolat | nicht berechnet | nur Nahrungsergänzungsmittel | Keine Humanvergleichsdaten gefunden |
Zinkanteile: eigene Berechnung aus den Molmassen. Zulassungen: Richtlinie 2002/46/EG Anhang II und Verordnung (EG) Nr. 1925/2006 Anhang II. Absorptionswerte: Wegmüller et al. 2014 (n = 15, nüchtern, 10 mg Zink).
Warum beeinflusst Phytat die Aufnahme stärker als die Verbindung?
Phytinsäure aus Getreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen bindet Zink im Darmlumen zu schwer löslichen Komplexen. Anders als die Zinkverbindung, die sich im Magen ohnehin weitgehend auflöst, wirkt Phytat über die gesamte Mahlzeit hinweg. Die EFSA beschreibt die Beziehung zwischen aufgenommenem und absorbiertem Zink deshalb mit einem Sättigungsmodell, das Zink- und Phytatzufuhr gemeinsam berücksichtigt.
Das Modell wurde an 72 Mittelwert-Datensätzen aus 650 Einzelmessungen in 18 Publikationen angepasst und erklärt 81 Prozent der Varianz. Sein zentraler Parameter ist die maximal absorbierbare Zinkmenge von 0,091 mmol pro Tag, rund 5,9 mg absorbiertes Zink täglich — eine Obergrenze, die unabhängig von der Verbindung gilt. FAO und WHO fassten die Kostformen 2004 nach dem molaren Phytat-Zink-Verhältnis in drei Kategorien zusammen.
| Kategorie | Molverhältnis Phytat zu Zink | Angenommene Absorption | Kennzeichen der Kost |
|---|---|---|---|
| Hohe Verfügbarkeit | unter 5 | 50 % | raffiniert, faserarm, Protein überwiegend tierisch |
| Mittlere Verfügbarkeit | 5 bis 15 | 30 % | Mischkost mit Tier- oder Fischprotein; auch vegetarisch oder vegan ohne Vollkorndominanz |
| Niedrige Verfügbarkeit | über 15 | 15 % | unraffiniertes, unfermentiertes Getreide; Sojaprotein als Hauptquelle |
FAO/WHO, Vitamin and mineral requirements in human nutrition, 2. Auflage 2004, Kapitel 16, Tabelle 54. Bei Verhältnissen über 30 hält die WHO eine Verfügbarkeit von 10 Prozent oder weniger für gerechtfertigt. Keimung und Fermentation, etwa im Sauerteig, heben eine Kost in die mittlere Kategorie.
Aus diesen Annahmen leitete die WHO gestaffelte Zufuhrempfehlungen ab: für Männer von 19 bis 65 Jahren 4,2 mg pro Tag bei hoher, 7,0 mg bei mittlerer und 14,0 mg bei niedriger Verfügbarkeit, für Frauen 3,0, 4,9 und 9,8 mg. Das ist eine Spannweite vom Faktor 3,3 bei identischem Bedarf des Körpers. Der einzige belegte Unterschied zwischen zwei Zinkverbindungen beträgt demgegenüber rund elf Prozentpunkte.
Die International Zinc Nutrition Consultative Group wertete 2004 ausschließlich Ganztagesdiät-Studien aus und trennt bei einem Phytat-Zink-Verhältnis von 18 in zwei Kategorien: für gemischte Kost setzt sie eine kritische Absorption von 26 Prozent bei Männern und 34 Prozent bei Frauen an, für unraffinierte getreidebasierte Kost 18 beziehungsweise 25 Prozent. Der daraus abgeleitete Durchschnittsbedarf für Erwachsene liegt bei 10 gegenüber 15 mg pro Tag für Männer und bei 6 gegenüber 7 mg für Frauen.
Wie staffeln EFSA und DGE ihre Referenzwerte?
Beide Gremien geben für Erwachsene nicht einen Wert an, sondern mehrere — abgestuft nach der täglichen Phytatzufuhr. Die EFSA verwendet 2014 die Stufen 300, 600, 900 und 1.200 mg Phytat pro Tag, die DGE 2019 die Stufen 330, 660 und 990 mg. Für Kinder und Jugendliche staffelt keines der beiden Gremien, weil die zugrunde gelegte Absorption aus Mischkost mit variablem Phytatgehalt stammt.
Zwischen der niedrigsten und der höchsten Phytatstufe steigt der EFSA-Referenzwert um rund 70 Prozent
- Männer ab 18 Jahren
- Frauen ab 18 Jahren
| Phytatzufuhr | Durchschnittsbedarf, Männer / Frauen | Referenzwert (PRI), Männer / Frauen |
|---|---|---|
| 300 mg pro Tag | 7,5 / 6,2 mg | 9,4 / 7,5 mg |
| 600 mg pro Tag | 9,3 / 7,6 mg | 11,7 / 9,3 mg |
| 900 mg pro Tag | 11,0 / 8,9 mg | 14,0 / 11,0 mg |
| 1.200 mg pro Tag | 12,7 / 10,2 mg | 16,3 / 12,7 mg |
EFSA NDA Panel, Scientific Opinion on Dietary Reference Values for zinc, EFSA Journal 2014;12(10):3844, Erwachsene ab 18 Jahren. Für die Schwangerschaft nennt die EFSA einen Zuschlag von 1,6 mg pro Tag, für die Stillzeit 2,9 mg pro Tag.
Die DGE beschreibt ihre drei Stufen inhaltlich: niedrig steht für wenig Vollkorn und Hülsenfrüchte bei vorrangig tierischem Protein, mittel für eine vollwertige Mischkost oder eine vegane Kost mit überwiegend gekeimten oder fermentierten Getreideprodukten, hoch für viel unfermentiertes Vollkorn bei pflanzlichem Protein. Die empfohlene Zufuhr für Erwachsene ab 19 Jahren beträgt entsprechend 11, 14 und 16 mg pro Tag für Männer sowie 7, 8 und 10 mg für Frauen.
Die Größenordnungen von EFSA und DGE stimmen gut überein, obwohl Phytatstufen und Terminologie abweichen; am oberen Ende liegt die DGE bei Frauen niedriger. Wer die Systematik hinter Durchschnittsbedarf, Referenzwert und Obergrenze kennt, erkennt darin keinen Widerspruch, sondern denselben Bedarf unter unterschiedlichen Absorptionsannahmen.
Wie reguliert der Körper seinen Zinkhaushalt?
Zink wird über zwei Transporterfamilien bewegt: zehn ZnT-Transporter (SLC30A1 bis SLC30A10) schleusen Zink aus dem Zytosol heraus, 14 ZIP-Transporter (SLC39A1 bis SLC39A14) hinein. Für die Aufnahme im Darm ist vor allem ein Paar entscheidend: ZIP4 an der dem Darminhalt zugewandten Zellseite und ZnT1 an der dem Blut zugewandten Seite.
Die Absorption ist sättigbar. Bei phytatarmen und zugleich zinkarmen Kostformen, etwa unter 4 mg pro Tag, kann der absorbierte Anteil laut EFSA 60 Prozent und mehr betragen und sinkt dann progressiv mit steigender Zufuhr. Der Körper reguliert über zwei Stellschrauben: die fraktionelle Absorption und die Menge Zink, die er in den Darm hinein ausscheidet. Diese endogene fäkale Ausscheidung ist die Hauptkomponente der Verluste und hängt von der Zinkkonzentration im Körper ab.
Die übrigen Verluste sind klein und konstant: über den Urin etwa 0,5 mg pro Tag bei Männern und 0,3 mg bei Frauen. Für Verluste über Haut und Schweiß nennt die EFSA weitere 0,5 mg pro Tag, allerdings nur für Männer; für Frauen gibt sie dazu keinen eigenen Wert an. Ein Speicherorgan gibt es nicht. Der Gesamtbestand beträgt rund 2,5 g bei Männern und 1,5 g bei Frauen, davon etwa 85 Prozent in Muskulatur und Knochen. Im Blut zirkuliert nur ein kleiner Teil, und davon sind rund 80 Prozent in den zellulären Blutbestandteilen gebunden; der Zinkpool im Plasma wird laut EFSA rund 130 Mal am Tag umgesetzt. Reguliert wird die Bilanz, nicht ein Vorrat.
Welche Wechselwirkungen sind belegt?
Am besten dokumentiert ist die Wechselwirkung mit Kupfer, und sie ist dosisabhängig. Bei Eisen und Calcium ist die Datenlage schwächer und teils widersprüchlich. Wie bei anderen Wechselwirkungen zwischen Mineralstoffen beziehen sich die meisten belegten Effekte auf hohe Supplementdosen, nicht auf Nährstoffe aus Lebensmitteln.
Zink und Kupfer
Kurzzeitige Bilanzstudien fanden bereits ab etwa 18 mg Zink pro Tag eine erhöhte fäkale Kupferausscheidung und eine verringerte Kupferretention. Bei 50 mg pro Tag über sechs Wochen sank in einer Studie an gesunden Männern die Aktivität der kupferhaltigen Superoxiddismutase in den Erythrozyten signifikant, während Plasmakupfer unverändert blieb; eine zweite Studie mit 50 mg über zehn Wochen fand bei Frauen zusätzlich niedrigere Ferritinwerte. Andererseits blieben in kontrollierten Untersuchungen mit 40 mg über 14 Wochen und 53 mg über 90 Tage die Kupferparameter unauffällig, sofern die Kupferzufuhr ausreichte.
Der SCF leitete aus dieser Lage 2003 einen NOAEL von etwa 50 mg pro Tag ab und wies zugleich darauf hin, dass die verwendeten Marker nicht spezifisch für einen Kupfermangel sind. Eine exakte Schwelle lässt sich aus der Evidenz nicht ableiten. Manifeste Folgen wie Anämie, Neutropenie und Immundefekte beschreibt der Ausschuss erst bei Supplementzufuhren über 150 mg pro Tag über lange Zeiträume. Wie folgenreich der Bereich dazwischen sein kann, zeigt eine Auswertung von 70 Patientenakten aus dem Jahr 2015: 62 Prozent der Verordnungen lagen in einem Dosisbereich, der einen Kupfermangel auslösen kann, und Plasmakupfer wurde bei nur zwei der 70 Personen gemessen.
Zink, Eisen und Calcium
Die verbreitete Schwelle von 25 mg Eisen geht auf eine Übersichtsarbeit von Solomons aus dem Jahr 1986 zurück: Danach hat die Konkurrenz von Eisen und Zink erst dann einen messbaren Effekt auf den Zinkstatus, wenn das Eisen-zu-Zink-Verhältnis bei 2:1 oder darüber liegt und die Gesamtmenge der ionischen Spezies 25 mg übersteigt. Eine spätere Einordnung präzisierte: Hohe Eisenkonzentrationen hemmen die Zinkabsorption in wässriger Lösung; werden Eisen und Zink mit einer Mahlzeit gegeben, tritt der Effekt nicht auf. Die EFSA formuliert 2014 entsprechend, hochdosierte Eisensupplemente könnten die Zinkabsorption beeinträchtigen, wenn sie gleichzeitig mit Zinksupplementen gegeben werden; bei Eisen aus Lebensmitteln gebe es keine Beeinträchtigung. In der Gegenrichtung senkte in der indonesischen Kinderstudie die Anreicherung mit Zinksulfat die Eisenabsorption, mit Zinkoxid dagegen nicht.
Für Calcium ist die Datenlage uneinheitlich. Eine Modellierung fand einen leicht positiven Effekt von Calcium und Protein auf die Zinkabsorption, eine kontrollierte Studie an Frauen ergab, dass Nahrungscalcium die Phytathemmung nicht verstärkt, und in der IZiNCG-Modellierung trug Calcium nichts zur Vorhersage bei. Die WHO nennt demgegenüber Zufuhren anorganischer Calciumsalze über 1 g pro Tag als verstärkenden Faktor. Für Einnahmeabstände gibt es auf dieser Grundlage keine belastbare Begründung.
Wo liegen die Obergrenzen?
Die tolerierbare Gesamtzufuhr für Erwachsene beträgt 25 mg Zink pro Tag. Sie stammt vom Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der EU-Kommission, wurde am 5. März 2003 verabschiedet und ist seither nicht revidiert worden. Dieser Wert ist eine wissenschaftliche Risikobewertung, keine Rechtsnorm und keine Zielgröße.
Abgeleitet wurde er aus einem NOAEL von 50 mg pro Tag mit dem Kupferstatus als kritischem Endpunkt, gestützt auf drei kontrollierte Studien mit 19 bis 25 Teilnehmenden; wegen der kleinen Fallzahlen und der kurzen Dauer wandte der Ausschuss einen Unsicherheitsfaktor von 2 an. Für Kinder und Jugendliche extrapolierte er über die Körperoberfläche und kam auf 7 mg pro Tag für 1- bis 3-Jährige bis 22 mg für 15- bis 17-Jährige. Die EFSA führt den Wert in ihrer Übersicht der Obergrenzen bis heute unverändert; Zink erscheint in keiner Liste der abgeschlossenen Neubewertungen, und ob eine Neubewertung läuft, geht aus den öffentlichen Dokumenten nicht hervor. Die FAO/WHO nennt 2004 mit 45 mg pro Tag für einen erwachsenen Mann einen abweichenden oberen Wert.
Zwischen Referenzbereich und dokumentierten Schäden liegt rund das Zwanzigfache
- STUFE 17 bis 16 mg pro TagReferenzbereich für Erwachsene nach EFSA 2014 und DGE 2019, abhängig von der Phytatzufuhr
- STUFE 225 mg pro TagTolerierbare Gesamtzufuhr (UL) für Erwachsene, SCF 2003
- STUFE 3etwa 50 mg pro TagVom SCF als NOAEL gewertet, obwohl in zwei Studien über Wochen die Aktivität der Erythrozyten-Superoxiddismutase sank — der Ausschuss hielt diesen Marker nicht für kupferspezifisch
- STUFE 4über 150 mg pro TagManifeste Folgen eines Kupfermangels über lange Zeiträume, SCF 2003
Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlug 2021 für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 6,5 mg Zink je Tagesverzehrempfehlung vor und empfahl, sonstigen Lebensmitteln kein Zink zuzusetzen; ab mehr als 3,5 mg je Tagesdosis empfiehlt es einen Hinweis auf weitere zinkhaltige Produkte. Der niedrige Vorschlag erklärt sich aus der Zufuhr über die normale Ernährung: In der Nationalen Verzehrsstudie II erreichte das 95. Perzentil bei männlichen Jugendlichen und Männern bereits 20,6 bis 22,9 mg pro Tag. Das Teildokument zu Zink stammt vom 15. März 2021 und wurde bei der Aktualisierung der Dachstellungnahme im Februar 2024 nicht überarbeitet. Ein Höchstmengenvorschlag des BfR ist eine Empfehlung an den Gesetzgeber, keine geltende Vorschrift.
| Wert | Höhe | Gremium | Jahr |
|---|---|---|---|
| Nährstoffbezugswert für die Kennzeichnung | 10 mg | EU-Gesetzgeber, VO (EU) Nr. 1169/2011 | 2011 |
| Referenzwert (PRI), Erwachsene | Männer 9,4–16,3 mg/Tag, Frauen 7,5–12,7 mg/Tag | EFSA NDA Panel | 2014 |
| Empfohlene Zufuhr, Erwachsene | Männer 11–16 mg/Tag, Frauen 7–10 mg/Tag | DGE, ÖGE, SGE | 2019 |
| Zufuhrempfehlung (RNI), Erwachsene | Männer 4,2–14,0 mg/Tag, Frauen 3,0–9,8 mg/Tag | FAO/WHO | 2004 |
| Tolerierbare Gesamtzufuhr (UL), Erwachsene | 25 mg/Tag | SCF | 2003 |
| Tolerierbare Gesamtzufuhr (UL), 1 bis 17 Jahre | 7 bis 22 mg/Tag | SCF | 2003 |
| Höchstmengenvorschlag für Nahrungsergänzungsmittel | 6,5 mg je Tagesverzehrempfehlung | BfR (Empfehlung) | 2021 |
Der Nährstoffbezugswert ist geltendes Kennzeichnungsrecht. Referenzwerte und Obergrenzen sind wissenschaftliche Ableitungen, der BfR-Vorschlag ist eine unverbindliche Empfehlung. Der UL wird in EFSA-Übersichtstabellen als „SCF, 2002c“ geführt; das Originaldokument datiert auf 2003.
Zur akuten Überversorgung beschreibt der SCF Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall; die emetische Dosis wird auf 225 bis 450 mg Zink geschätzt. Chronische Zufuhren zwischen 50 und 300 mg pro Tag sind mit niedrigen Kupferwerten, Leukopenie, Neutropenie, sideroblastischer Anämie und beeinträchtigter Immunfunktion assoziiert — mit dem Vorbehalt, dass diese Veränderungen nicht kupferspezifisch sind. Dokumentiert sind außerdem schwere neurologische Erkrankungen infolge eines zinkbedingten Kupfermangels, etwa nach jahrelangem Gebrauch zinkhaltiger Prothesenhaftcreme.
Warum ist der Zinkstatus schwer zu messen?
Weil es keinen validierten Marker für den individuellen Zinkstatus gibt. Die EFSA hält 2014 fest, dass weder die Plasma- oder Serumzinkkonzentration noch ein anderer vermuteter Biomarker geeignet ist, um Referenzwerte für Zink abzuleiten. Eine systematische Übersicht prüfte 32 potenzielle Biomarker und fand für die meisten keine ausreichende Evidenz.
Serumzink schwankt stark und systematisch. Der Wert ist morgens am höchsten und sinkt im Tagesverlauf; außerdem hängt er vom Abstand zur letzten Mahlzeit ab. Deshalb geben Fachgremien ihre Grenzwerte getrennt nach Tageszeit und Nüchternstatus an. Eine Infektion oder Entzündung senkt den Wert zusätzlich, weil Zink aus dem Plasma in die Gewebe verlagert wird; wie stark, ist uneinheitlich — im BRINDA-Projekt war der Zusammenhang zwischen Plasmazink und Entzündungsmarkern bei Vorschulkindern deutlich, bei Frauen im gebärfähigen Alter dagegen schwach und inkonsistent. Hinzu kommen niedriges Serumalbumin, Schwangerschaft, Stillzeit, orale Kontrazeptiva und eine Hämolyse der Probe, die den Messwert erhöht.
Die IZiNCG empfiehlt deshalb, Serumzink als Indikator des Zinkstatus einer Bevölkerung zu verwenden und nicht als Indikator für eine einzelne Person; ein individueller Wert sagt die Reaktion auf eine Zinkzufuhr nicht zuverlässig voraus. Für die Populationsbewertung gibt sie nach Geschlecht, Tageszeit und Nüchternstatus getrennte Grenzwerte an, abgeleitet als 2,5. Perzentil der Serumzinkwerte gesunder Teilnehmender der US-Erhebung NHANES II (1976–1980): morgens nüchtern 70 µg/dl für Frauen und 74 µg/dl für Männer ab 10 Jahren, nachmittags und nicht nüchtern 59 und 61 µg/dl — rund 16 bis 18 Prozent niedriger. In der erwähnten Aktenauswertung beruhten 48 Prozent der niedrigen Plasmazinkwerte auf einer Hypalbuminämie oder einer Entzündungsreaktion und nicht auf einem Mangel. Ob ein auffälliger Laborwert im Einzelfall etwas bedeutet, ist eine Frage, die ärztlich zu klären ist.
Was darf über Zink ausgesagt werden?
Die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 enthält 18 zugelassene gesundheitsbezogene Angaben für Zink. Sie betreffen unter anderem den Säure-Basen-, Kohlenhydrat- und Fettsäurestoffwechsel, die kognitive Funktion, die DNA- und Eiweißsynthese, die Fruchtbarkeit, die Erhaltung von Haaren, Nägeln, Haut und Sehkraft, die Funktion des Immunsystems, den Schutz der Zellen vor oxidativem Stress und die Zellteilung.
Alle 18 tragen dieselbe und einzige Verwendungsbedingung: Das Lebensmittel muss die Anforderungen an die Angabe „Quelle von“ erfüllen, also 15 Prozent des Nährstoffbezugswerts von 10 mg je 100 g — 1,5 mg Zink pro 100 g; für Getränke gilt stattdessen die 7,5-Prozent-Schwelle je 100 ml, also 0,75 mg. Oberhalb dieser Schwelle gibt es keine weitere Bedingung und keine zugelassene Angabe, die eine höhere Dosierung mit einer stärkeren Wirkung verknüpft. Der Wortlaut „Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ ist verbindlich; „normal“ ist keine Steigerungsaussage.
Wissenschaftlich ist die Lage zur Erkältung differenziert. Ein Cochrane-Review von 2024 wertete 34 Studien mit 8.526 Teilnehmenden aus. Zur Vorbeugung fand er ein relatives Risiko von 0,93 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,85 bis 1,01) bei niedriger Evidenzsicherheit, also möglicherweise keinen oder kaum einen Effekt. Bei bestehender Erkältung verkürzte sich die Dauer um 2,37 Tage, jedoch mit niedriger Sicherheit und sehr hoher Heterogenität; auf die Symptomschwere zeigte sich kein Effekt. Gleichzeitig stieg das relative Risiko nicht schwerwiegender unerwünschter Wirkungen auf 1,34 bei moderater Sicherheit. Die Dosen lagen als Lutschtabletten bei 45 bis 276 mg pro Tag über 4,5 bis 21 Tage, weit oberhalb der tolerierbaren Gesamtzufuhr.
Fazit
Die Wahl der Zinkverbindung ist der zweitrangige Faktor. Belegt ist ein Unterschied von rund elf Prozentpunkten fraktioneller Absorption zwischen Citrat oder Gluconat und Oxid — nüchtern, bei einer Einzeldosis von 10 mg, an 15 Personen. Das Phytat-Zink-Verhältnis der Kost verändert die angenommene Absorption um mehr als das Dreifache dieser Spanne, weshalb EFSA, DGE und WHO ihre Referenzwerte danach staffeln. Ein Ranking der Zinkformen nach Bioverfügbarkeit ist mit dieser Evidenz nicht möglich; für zwölf der 16 zugelassenen Verbindungen fehlen Isotopendaten. Exakt beziffern lassen sich nur der elementare Zinkanteil und die Obergrenze von 25 mg pro Tag, deren kritischer Endpunkt nicht Zink ist, sondern Kupfer. Bei den Magnesiumverbindungen und bei den Vitamin-B12-Formen zeigt sich ein ähnliches Muster.
Häufige Fragen
Ist Zinkpicolinat besser aufnehmbar als andere Formen?
Dafür gibt es bislang keine belastbaren Belege. Die einzige Primärquelle ist eine Studie von 1987 an 15 Personen ohne Isotopenmethodik; das Serumzink blieb unverändert, erhöht waren nur nicht validierte Surrogatmarker. Eine Replikation existiert nicht, und in keiner Stabilisotopenstudie kommt Zinkpicolinat vor.
Spielt es eine Rolle, ob Zink zu einer Mahlzeit aufgenommen wird?
Für die Frage nach der Verbindung ja: Der einzige belegte Formenunterschied wurde nüchtern gemessen. In angereicherten Lebensmitteln fanden vier Isotopenstudien keinen Unterschied mehr zwischen Zinkoxid und Zinksulfat; ausschlaggebend war der Phytatgehalt der Matrix.
Warum unterscheiden sich die Referenzwerte von EFSA, DGE und WHO?
Weil sie unterschiedliche Absorptionsannahmen, Referenzgewichte und Phytatstufen zugrunde legen: die EFSA 300 bis 1.200 mg Phytat pro Tag, die DGE 330 bis 990 mg, die WHO das molare Phytat-Zink-Verhältnis. Die WHO-Werte liegen bei hoher Verfügbarkeit deutlich niedriger, weil sie dort eine Absorption von 50 Prozent annimmt.
Was bedeutet der elementare Zinkgehalt auf einem Etikett?
Er gibt an, wie viel Zink als Element enthalten ist, im Unterschied zur Menge der Verbindung. 10 mg Zink entsprechen 12,4 mg Zinkoxid, aber 69,7 mg Zinkgluconat. Weil dieselbe Verbindung je nach Hydratstufe unterschiedlich viel Zink enthält, ist allein der elementare Gehalt vergleichbar.
Ab welcher Zufuhr gilt Zink als kritisch?
Der SCF leitete 2003 eine tolerierbare Gesamtzufuhr von 25 mg pro Tag für Erwachsene ab, ausgehend von einem NOAEL von 50 mg und einem Unsicherheitsfaktor von 2; kritischer Endpunkt ist der Kupferstatus. Veränderungen kupferabhängiger Enzyme wurden ab etwa 50 mg pro Tag über Wochen beobachtet, manifeste klinische Folgen erst bei über 150 mg pro Tag.
Sagt ein einzelner Serumzinkwert etwas über die Versorgung aus?
Nur eingeschränkt. Der Wert ist morgens am höchsten und sinkt im Tagesverlauf; entsprechend liegen die IZiNCG-Grenzwerte für nachmittags entnommene Proben rund 16 bis 18 Prozent niedriger als für morgens nüchtern entnommene. Hinzu kommen Einflüsse von Entzündung, Albumin und Probenhämolyse. Die IZiNCG empfiehlt den Wert zur Beurteilung von Bevölkerungsgruppen, nicht einzelner Personen.
Quellen
- Richtlinie 2002/46/EG, konsolidierte Fassung 02002L0046-20251126, Anhang II Abschnitt B. Fundstelle: eur-lex.europa.eu.
- Verordnung (EG) Nr. 1925/2006, Anhang II (Zinkeinträge), konsolidierte Fassung. Fundstelle: eur-lex.europa.eu.
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII Teil A Nr. 1 und 2. Fundstelle: eur-lex.europa.eu.
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012, Anhang (Zinkeinträge), 2012. Fundstelle: eur-lex.europa.eu.
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006, Anhang (Angabe „Quelle von“). Fundstelle: eur-lex.europa.eu.
- EFSA NDA Panel, Scientific Opinion on Dietary Reference Values for zinc, EFSA Journal 2014;12(10):3844. DOI: 10.2903/j.efsa.2014.3844.
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