Vitamin D: Referenzwerte, Statusmessung und Obergrenzen

Kurz gesagt

  • Für Vitamin D stehen mehrere Zahlen nebeneinander, die verschiedene Fragen beantworten: 5 µg pro Tag als Kennzeichnungs-Bezugswert der EU (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011), 15 µg als Adequate Intake der EFSA (2016) und 20 µg als D-A-CH-Schätzwert der DGE (Ableitung 2012).
  • Gemessen wird im Blut 25-Hydroxyvitamin D, nicht die aktive Form Calcitriol. Als Zielkonzentration nennen IOM (2011), EFSA (2016) und DGE (2012) übereinstimmend 50 nmol/l, abgeleitet aus muskuloskelettalen und – bei der EFSA – schwangerschaftsbezogenen Endpunkten.
  • Das Messergebnis hängt vom Labor ab: In einem Ringversuch lagen die mittleren 25(OH)D-Werte derselben Seren je nach Labor zwischen 17,1 und 35,6 ng/ml (Binkley et al., 2004).
  • Für dieselbe deutsche Erhebung existieren zwei Zahlensätze: 30,2 % der Erwachsenen unter 30 nmol/l in der Originalmessung, 15,2 % nach nachträglicher Standardisierung.
  • Die EFSA leitete 2023 einen Tolerable Upper Intake Level von 100 µg pro Tag für Erwachsene ab, aus einem LOAEL von 250 µg pro Tag und einem Unsicherheitsfaktor von 2,5. Ein UL ist eine wissenschaftliche Risikobewertung, keine Rechtsnorm und kein Zielwert.

Warum gibt es nicht den einen Vitamin-D-Wert?

Weil die kursierenden Zahlen unterschiedliche Größen sind. Ein Kennzeichnungswert auf der Verpackung, ein ernährungswissenschaftlicher Referenzwert für die Zufuhr, eine Zielkonzentration im Serum und eine sicherheitsbezogene Obergrenze beantworten je eine andere Frage. Sie lassen sich weder ineinander umrechnen noch gegeneinander ausspielen.

Hinzu kommt eine zweite Ebene: Auch wenn man sich auf eine Zielkonzentration im Blut einigt, hängt der gemessene Wert vom Analyseverfahren und vom Labor ab. Beide Ebenen zusammen erklären, warum Aussagen zur Vitamin-D-Versorgung weit auseinandergehen können, ohne dass eine Seite falsch rechnet. Dieser Beitrag ordnet die Zahlen nach Zweck, Gremium und Ableitungsjahr; er nennt keine Dosierungen für Einzelpersonen.

Was misst ein Vitamin-D-Test im Blut?

Bestimmt wird in aller Regel 25-Hydroxyvitamin D, kurz 25(OH)D. Diese Form entsteht in der Leber aus Vitamin D₂ oder D₃ und hat laut EFSA (2023) eine mittlere Halbwertszeit von 13 bis 15 Tagen. Sie gilt deshalb als Marker des Status und, bei geringer UV-B-Exposition, der Zufuhr.

In der Haut entsteht aus 7-Dehydrocholesterol unter UV-B-Strahlung Prävitamin D₃, das thermisch zu Vitamin D₃ isomerisiert; in der Leber folgt die 25-Hydroxylierung, in der Niere die Umwandlung zum aktiven Calcitriol. Calcitriol eignet sich ausdrücklich nicht als Statusmarker: Seine Halbwertszeit liegt im Stundenbereich, seine Serumkonzentration ist rund tausendfach niedriger und wird über Calcium, Phosphat, Parathormon und FGF23 eng reguliert.

Zwei Umrechnungsfaktoren werden im gesamten Text gebraucht: Im Serum entspricht 1 ng/ml gleich 2,5 nmol/l (NIH Office of Dietary Supplements), bei der Zufuhr gilt nach DGE 1 µg gleich 40 Internationale Einheiten. 50 nmol/l sind demnach 20 ng/ml, 20 µg sind 800 IE. Warum Vitamin D dabei anders zu behandeln ist als wasserlösliche Vitamine, hat mit seiner Speicherung im Körper zu tun; die Unterschiede zwischen den beiden Vitamingruppen sind an anderer Stelle beschrieben.

Woher stammen die Referenzwerte für die Zufuhr?

Aus drei Quellen mit drei Zwecken. 5 µg pro Tag ist ein Bezugswert für die Nährwertkennzeichnung, 15 µg pro Tag ein Adequate Intake der EFSA von 2016, 20 µg pro Tag ein Schätzwert der DGE mit Ableitung 2012.

Referenzwerte, Höchstmengenvorschlag und Obergrenzen liegen auf zwei völlig verschiedenen Skalen

Vitamin-D-Referenzwerte und Obergrenzen in Mikrogramm pro TagA · Referenzwerte für die ZufuhrNRV, EU 2011AI, EFSA 2016Schätzwert, DGE 2012NEM-Höchstmenge, BfR 202451520200510152025Mikrogramm pro TagB · Obergrenzen und ReferenzpunktUL 1–10 Jahre, EFSA 2023UL ab 11 Jahre, EFSA 2023LOAEL, EFSA 202350100250050100150200250Mikrogramm pro Tag
Die beiden Panels haben unterschiedliche Skalen. A: Nährstoffbezugswert der EU (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011), Adequate Intake der EFSA (2016), D-A-CH-Schätzwert der DGE (Ableitung 2012), Höchstmengenvorschlag des BfR für Nahrungsergänzungsmittel je Tagesverzehrempfehlung (2024, Jugendliche und Erwachsene). B: Tolerable Upper Intake Levels der EFSA (2023) und der ihnen zugrunde liegende LOAEL. Die Werte in A und B sind unterschiedliche Größen und nicht ineinander überführbar.

Die 5 µg auf der Verpackung stammen aus dem Jahr 1988

Anhang XIII Teil A Nr. 1 der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 führt unter den Nährstoffbezugswerten für Erwachsene den Eintrag „Vitamin D (μg) 5“; in der konsolidierten Fassung von 2018 ist er unverändert. Bereits die Richtlinie 2008/100/EG der Kommission vom 28. Oktober 2008 nennt 5 µg und benennt in Erwägungsgrund 13 als Grundlage eine FAO/WHO-Sachverständigenkonsultation von 1988. Der Wert ist damit ein Bezugswert für die Prozentangabe auf Etiketten, nie an die Ableitungen von DGE 2012 oder EFSA 2016 angepasst. Was eine solche Referenzmenge auf dem Etikett überhaupt aussagt, ist deshalb eine eigene Frage.

EFSA 15 µg und DGE 20 µg: gleiche Zielgröße, andere Modellierung

Die EFSA setzte 2016 für Erwachsene, Schwangere, Stillende und Kinder von 1 bis 17 Jahren einen Adequate Intake von 15 µg pro Tag fest, für Säuglinge von 7 bis 11 Monaten 10 µg pro Tag. Grundlage war eine Meta-Regression über Daten aus 35 Studien mit 83 Studienarmen; bei 15 µg pro Tag erreicht laut EFSA der größte Teil der erwachsenen Bevölkerung eine Serumkonzentration nahe oder oberhalb von 50 nmol/l; eine Perzentilangabe nennt die EFSA nicht. Einen Average Requirement und einen Population Reference Intake konnte das Gremium ausdrücklich nicht ableiten. Entscheidend ist die Randbedingung: Die Werte gelten unter der Annahme minimaler Bildung in der Haut; bei vorhandener Eigensynthese ist der Bedarf aus der Nahrung laut EFSA geringer oder möglicherweise null.

Die DGE weist für Kinder ab einem Jahr, Jugendliche, Erwachsene, Schwangere und Stillende einen Schätzwert von 20 µg pro Tag aus, für Säuglinge unter zwölf Monaten 10 µg pro Tag, Stand der Ableitung 2012. Auch dieser Wert gilt für den Fall fehlender endogener Synthese und zielt auf mindestens 50 nmol/l. Beide Gremien nennen also dieselbe Zielkonzentration und dieselbe Randbedingung und kommen dennoch zu 15 gegenüber 20 µg. Für den DGE-Wert ist eine Perzentil-Angabe nicht belegt; die verbreitete Behauptung, beide unterschieden sich lediglich im angesetzten Perzentil, ist damit nicht primärbelegt. Wie sich diese Wertetypen systematisch abgrenzen, ist im Überblick zu den Wertesystemen von EFSA, DGE und Gesetzgeber dargestellt.

Wert Zahl Art des Wertes Gremium und Jahr
Nährstoff­bezugs­wert (NRV) 5 µg/Tag Kennzeich­nungs-Bezugs­wert für Erwachsene EU-Gesetz­geber, 2011 (Ursprung FAO/WHO 1988)
Adequate Intake, ab 1 Jahr 15 µg/Tag Referenz­wert bei minimaler Haut­synthese EFSA NDA Panel, 2016
Adequate Intake, 7–11 Monate 10 µg/Tag Referenz­wert EFSA NDA Panel, 2016
D-A-CH-Schätz­wert, ab 1 Jahr 20 µg/Tag Schätz­wert bei fehlender endogener Synthese DGE, Ableitung 2012
D-A-CH-Schätz­wert, 0–12 Monate 10 µg/Tag Schätz­wert DGE, Ableitung 2012
EAR (Median­bedarf) 10 µg/Tag Bedarfs­median der Bevölkerung IOM, 2011
RDA, 1–70 Jahre 15 µg/Tag Zufuhr­empfehlung IOM, 2011
RDA, ab 71 Jahre 20 µg/Tag Zufuhr­empfehlung IOM, 2011
UL, bis 6 Monate 25 µg/Tag Tolerable Upper Intake Level EFSA NDA Panel, 2018
UL, 6–12 Monate 35 µg/Tag Tolerable Upper Intake Level EFSA NDA Panel, 2018
UL, 1–10 Jahre 50 µg/Tag Tolerable Upper Intake Level EFSA NDA Panel, 2023
UL, ab 11 Jahre 100 µg/Tag (4.000 IE) Tolerable Upper Intake Level EFSA NDA Panel, 2023
LOAEL 250 µg/Tag Referenz­punkt, Endpunkt persistie­rende Hyper­kalz­iurie EFSA NDA Panel, 2023
Unsicher­heits­faktor 2,5 Faktor wegen fehlendem NOAEL EFSA NDA Panel, 2023
Höchst­menge für Nahrungs­ergänzungs­mittel 20,0 µg je Tages­verzehr­emp­fehlung Management­vorschlag, keine Rechts­norm BfR, 2024

Quellen: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII Teil A; EFSA Journal 2016;14(10):4547; EFSA Journal 2018;16(8):5365; DGE-Referenzwerte, Ableitung 2012; Ross et al., J Clin Endocrinol Metab 2011;96(1):53–58; EFSA Journal 2023;21(8):e08145; BfR-Stellungnahme 007/2024. IE steht für Internationale Einheiten, NOAEL für no-observed-adverse-effect level, LOAEL für lowest-observed-adverse-effect level.

Was bedeutet die Zielkonzentration von 50 nmol/l?

Sie ist ein populationsbezogener Abdeckungswert für den Knochenstoffwechsel, kein individueller Grenzwert und keine Diagnosegrenze. Das Institute of Medicine leitete sie 2011 aus der Zusammenschau von Knochengesundheits-Endpunkten mit 25(OH)D-Daten ab, unter Bedingungen minimaler Sonnenexposition.

Wörtlich hält der IOM-Bericht fest, dass 40 nmol/l den Bedarf etwa der Hälfte der Bevölkerung decken und mindestens 50 nmol/l den Bedarf von mindestens 97,5 %. Die 50 nmol/l sind damit das Analogon zu einer Zufuhrempfehlung, nicht der Punkt, ab dem ein Mangel beginnt; der Medianbedarf von 40 nmol/l taucht in der öffentlichen Diskussion praktisch nicht auf. Die EFSA übernahm den Wert 2016 mit eigener Begründung: Unterhalb von 50 nmol/l bestehe Evidenz für ein erhöhtes Risiko ungünstiger muskuloskelettaler und schwangerschaftsbezogener Endpunkte; die zur Erreichung nötige Zufuhr sei ein geeigneter Zielwert für alle Bevölkerungsgruppen, sofern die Calciumzufuhr angemessen ist. Die DGE nennt seit 2012 denselben Wert.

Drei Einschränkungen stehen in den Quellen selbst. Die EFSA beschreibt die Evidenz zum Zusammenhang zwischen Serumkonzentration und muskuloskelettalen Endpunkten als stark variabel; der Wert ist aus heterogener Evidenz gesetzt, nicht an einem Knickpunkt abgelesen. EFSA und IOM stützen sich zudem allein auf muskuloskelettale und schwangerschaftsbezogene Endpunkte. Und die Endocrine Society kam 2024 zu dem Ergebnis, es gebe keine klare Evidenz, die den optimalen Zielwert zur Krankheitsprävention definiere. Wie belastbar eine solche Ableitung ist, hängt an Fragen der Studienbewertung, die im Beitrag zum Lesen und Einordnen von Studienergebnissen ausgeführt sind.

Wie einig sind sich die Gremien bei den Serumschwellen?

Bei 50 nmol/l weitgehend, darüber und darunter nicht. IOM, EFSA, DGE, RKI und BfR verwenden 50 nmol/l als Bezugspunkt. Die Endocrine Society empfahl 2011 stattdessen 75 nmol/l und zog diesen Zielwert 2024 zurück, ohne einen neuen zu setzen. Der Bereich zwischen 30 und 50 nmol/l trägt je nach Quelle unterschiedliche Namen.

Die Gremien setzen ihre Schwellen an verschiedenen Stellen derselben Skala

  • unterste Stufe (Mangel bzw. erhöhtes Risiko)
  • mittlere Stufe
  • als ausreichend bezeichneter Bereich
  • nicht als ausreichend benannt
25(OH)D-Schwellen im Vergleich der Gremienkeine Schwelle definiertIOM 2011NIH ODS, Stand 2026EFSA 2016DGE 2012RKI 2016BfR 2024Endocrine Soc. 2011*Endocrine Soc. 2024Konsens Pisa 2018125 nmol/l025507510012515025(OH)D im Serum, nmol/l
Quellen: Ross et al. 2011 (IOM); NIH Office of Dietary Supplements, Stand 12. August 2026; EFSA Journal 2016;14(10):4547; DGE-Referenzwerte; Rabenberg und Mensink 2016 (RKI); BfR-Stellungnahme 007/2024; Sempos et al. 2018 (Konsenskonferenz Pisa). * Die Schwellen der Endocrine Society von 2011 wurden 2024 formal ersetzt. Oberhalb von 125 nmol/l benennen IOM und NIH ODS mögliche Risiken und keinen als ausreichend bezeichneten Bereich; EFSA und DGE nennen in den herangezogenen Dokumenten keine obere Serumschwelle. Die Darstellung bildet Klassifikationen ab, keine Messwerte.
Gremium und Jahr unter 30 nmol/l 30 bis unter 50 nmol/l 50 nmol/l und mehr
IOM, 2011 erhöhtes Risiko 40 nmol/l gilt als Median­bedarf deckt den Bedarf von mindestens 97,5 %
NIH ODS, Stand 2026 mit Mangel assoziiert generell unzu­reichend generell ausreichend
EFSA, 2016 unter 50 nmol/l: Evidenz für erhöhtes Risiko ungünstiger muskulo­skelettaler Endpunkte Zielwert für alle Bevölke­rungs­gruppen
DGE, 2012 Mangel keine eigene Benennung gute Versorgung in Bezug auf die Knochen­gesundheit
RKI, 2016 defizitär suboptimal adäquat
BfR, 2024 erhöhtes Risiko für Rachitis bzw. Osteo­malazie erhöhtes Risiko für nicht adäquate Knochen­gesundheit adäquat für die Knochen­gesundheit
Endocrine Society, 2011 unter 50 nmol/l Mangel, 50 bis 75 nmol/l unzu­reichend Zielwert 75 nmol/l; 2024 formal ersetzt
Endocrine Society, 2024 keine Schwellen definiert; kein evidenz­basierter Zielwert erkennbar; gegen Routine-Testung in den betrachteten Populationen
Konsens­konferenz Pisa, 2018 erhöhtes Risiko für Rachitis bzw. Osteo­malazie keine eigene Benennung 50 bis 125 nmol/l als sicher und ausreichend für die Knochen­gesundheit

Quellen: Ross et al., J Clin Endocrinol Metab 2011;96(1):53–58; NIH Office of Dietary Supplements, Vitamin D Fact Sheet for Health Professionals; EFSA Journal 2016;14(10):4547; DGE-Referenzwerte Vitamin D; Rabenberg und Mensink, J Health Monit 2016;1(2); BfR-Stellungnahme 007/2024; Demay et al., J Clin Endocrinol Metab 2024;109:1907–1947; Pilz et al., Nutrients 2026;18(9):1472; Sempos et al., Br J Clin Pharmacol 2018;84(10):2194–2207.

Vier Konfliktlinien sind damit dokumentiert: die Höhe des Zielwerts, 50 gegenüber 75 nmol/l; die Frage, ob es überhaupt einen evidenzbasierten Zielwert gibt; die Deutung des Bereichs von 30 bis 50 nmol/l, in dem nach der IOM-Logik mit 40 nmol/l der Medianbedarf liegt; und der Umstand, dass sämtliche Schwellen auf muskuloskelettalen Endpunkten beruhen.

Wie zuverlässig ist die Messung selbst?

Weniger zuverlässig, als eine Zahl mit einer Nachkommastelle suggeriert. Die EFSA hält 2023 fest, dass die hohe Variabilität von 25(OH)D-Messungen zwischen verschiedenen Analyseverfahren den Vergleich zwischen Studien erschwert. Diese Variabilität ist gemessen und beziffert worden.

Als Goldstandard gilt laut EFSA die Flüssigkeitschromatographie mit Tandem-Massenspektrometrie, kurz LC-MS/MS; einige Labore setzen Hochleistungsflüssigkeitschromatographie ein. Beide können 25(OH)D₃ und 25(OH)D₂ getrennt bestimmen. In Routine und Epidemiologie werden daneben Immunoassays verwendet. Die chromatographischen Trennprinzipien sind dieselben, die auch bei der Vitaminbestimmung mittels HPLC in Produkten zum Tragen kommen, dort allerdings an einer ganz anderen Matrix.

Die grundlegende Arbeit zur Vergleichbarkeit stammt von Binkley und Kollegen aus dem Jahr 2004. Bei klinisch vergleichbaren postmenopausalen Frauen lag der mittlere 25(OH)D-Wert in einem Labor bei 46 ng/ml, in einem zweiten bei 21 ng/ml; legt man eine Schwelle von 32 ng/ml an, lagen im ersten Labor 17 %, im zweiten 90 % darunter. Im zugehörigen Ringversuch gingen Seren von zehn gesunden Erwachsenen an sechs Labore; die mittleren Konzentrationen je Labor reichten von 17,1 bis 35,6 ng/ml, die Wiederfindung einer Aufstockung um 20 ng/ml von 7,7 bis 18,0 ng/ml. Die Autoren folgerten, ob eine Person einen niedrigen oder einen normalen Status zugeschrieben bekomme, sei eine Funktion des verwendeten Labors.

Neuere Daten zeigen Fortschritt und eine verbliebene Schwachstelle. In einer Intralabor-Studie des Vitamin D Standardization Program erfüllten alle zwölf ausgewerteten Assays das Kriterium eines Variationskoeffizienten von höchstens 10 %, neun von zwölf lagen innerhalb eines mittleren Bias von plus/minus 5 %; bei acht Proben mit hoher 25(OH)D₂-Konzentration änderten jedoch zehn von zwölf Immunoassays ihr Ansprechverhalten. Das Konsenspapier der ersten internationalen Konferenz zu Kontroversen um Vitamin D hält fest, die Assay-Variation habe zum Durcheinander bei der Definition eines Mangels beigetragen.

Was sagen die deutschen Surveydaten, und warum gibt es zwei Zahlensätze?

Für die Erhebung DEGS1 des Robert Koch-Instituts liegen zwei publizierte Auswertungen vor: die Originalmessung mit einem Chemilumineszenz-Immunoassay und eine nachträgliche Standardisierung gegen LC-MS/MS im Rahmen des EU-Projekts ODIN. Die Anteile unterscheiden sich um mehr als den Faktor zwei, obwohl beide Zahlen dieselben Blutproben von 6.995 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren beschreiben.

Dieselbe Erhebung ergibt je nach Auswertungsstand halb so viele Personen unter 30 nmol/l

  • Originalmessung (Immunoassay)
  • nachträglich standardisiert
DEGS1: Originalmessung und standardisierte Auswertung im Vergleich30,2 %15,2 %38,4 %44,0 %015304560Prozentunter 30 nmol/l50 nmol/l und mehrAnteil der Erwachsenen, DEGS1 2008–2011
Quellen: Rabenberg et al., BMC Public Health 2015;15:641 (Originalmessung, n = 6.995 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren, Erhebung 2008 bis 2011) und Rabenberg et al., BMC Public Health 2018;18:845 (nachträgliche Standardisierung nach dem Protokoll des Vitamin D Standardization Program). Einschränkung: Beide Auswertungen beruhen auf denselben Blutproben von 2008 bis 2011; neuere repräsentative Messdaten für Deutschland liegen nicht vor.
Kennzahl, Erwachsene 18–79 Jahre Original­messung (Immuno­assay) nachträglich standardisiert
Mittelwert 45,6 nmol/l 49,5 nmol/l
unter 30 nmol/l 30,2 % 15,2 %
unter 50 nmol/l 61,6 % 56,0 %
50 nmol/l und mehr 38,4 % 44,0 %

Quellen: Rabenberg et al., BMC Public Health 2015;15:641 und Rabenberg et al., BMC Public Health 2018;18:845. Beide Zahlensätze beziehen sich auf dieselbe Stichprobe der Studie DEGS1 (Erhebung 2008 bis 2011).

Die Saisonalität ist in den Originalwerten deutlich ausgeprägt: Nach der Auswertung von Rabenberg und Mensink (RKI, J Health Monit 2016;1(2)) lag der Anteil unter 30 nmol/l im Sommer bei 8,3 % und im Winter bei 52,0 %. Nach Standardisierung liegen bei Kindern und Jugendlichen von 1 bis 17 Jahren 12,5 % unter 30 nmol/l. Zur europäischen Einordnung standardisierten Cashman und Kollegen 14 Populationsstudien nach demselben Protokoll und kombinierten sie mit vier bereits standardisierten, insgesamt 55.844 Personen: Im Jahresmittel lagen 13,0 % unter 30 nmol/l.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Alle deutschen Zahlen beruhen auf Blutproben von 2008 bis 2011, für Kinder und Jugendliche auf noch älteren. Und die verbreitete Formulierung, fast 60 % der Bevölkerung seien unterversorgt, bezieht sich auf die Originalmessung; die standardisierte Auswertung derselben Proben ergibt 56,0 % unter 50 nmol/l und, für die häufig gemeinte Mangelschwelle von 30 nmol/l, 15,2 % statt 30,2 %.

Warum gelten alle Referenzwerte für den Fall fehlender Hautsynthese?

Weil sich der Beitrag der Eigensynthese nicht beziffern lässt. Bei regelmäßigem Aufenthalt im Freien trägt sie nach Angaben von BfR und RKI 80 % bis 90 % zur Versorgung bei, die Nahrung nur 10 % bis 20 %. Genau dieser dominierende Anteil ist die Größe, die keine Referenzwertkommission quantifizieren kann.

Die DGE formuliert, die Bildung sei von Breitengrad, Jahres- und Tageszeit, Witterung und Kleidung abhängig und lasse sich weder bei Einzelpersonen noch pauschal für die Allgemeinbevölkerung mengenmäßig bestimmen. Deutschland liegt zwischen 47 und 55 Grad nördlicher Breite; nach Darstellung des RKI kann die Bildung in der Haut hierzulande zwischen März und Oktober stattfinden. Über die Ernährung allein liefert die übliche Kost nach DGE-Angaben 1 bis 2 µg pro Tag bei Kindern und 2 bis 4 µg bei Jugendlichen und Erwachsenen; nennenswerte Gehalte haben nur wenige Lebensmittel wie Hering (7,80 bis 25,00 µg je 100 g), Lachs (16,00 µg) und Eigelb (5,60 µg).

Wie ist die Obergrenze von 100 µg pro Tag hergeleitet?

Über einen kritischen Endpunkt, einen Referenzpunkt und einen Unsicherheitsfaktor. Die EFSA wählte 2023 die persistierende Hyperkalziurie als kritischen Endpunkt, weil sie ein früheres Zeichen eines Vitamin-D-Überschusses sein kann als eine persistierende Hyperkalzämie. Aus zwei randomisierten kontrollierten Studien leitete sie einen LOAEL von 250 µg pro Tag ab und wandte darauf einen Unsicherheitsfaktor von 2,5 an, weil kein NOAEL vorliegt. Ergebnis ist ein Tolerable Upper Intake Level von 100 µg pro Tag ab 11 Jahren, einschließlich Schwangerer und Stillender.

Gegenüber 2012 hat sich die Konstruktion geändert, nicht die Zahl: Damals war der kritische Endpunkt die persistierende Hyperkalzämie und der Referenzpunkt ein NOAEL von 250 µg pro Tag aus zwei kleinen Studien an gesunden Männern. Die 2023 herangezogenen Studien berichteten bei 250 µg pro Tag über drei Jahre beziehungsweise über ein Jahr, jeweils zusammen mit Calcium, ein verdreifachtes Risiko einer persistierenden Hyperkalziurie. Bemerkenswert ist die Ausgangslage in einer der beiden Studien: Die älteren Teilnehmenden hatten im Mittel bereits mehr als 75 nmol/l zu Studienbeginn.

Drei Punkte gehören zur korrekten Lesart. Erstens ist ein UL eine wissenschaftliche Risikobewertung, keine Rechtsnorm. Zweitens ist er, in der Formulierung des IOM, kein Zielwert; das Schadensrisiko beginne erst oberhalb dieser Zufuhr zu steigen. Drittens deckt der UL die Zufuhr aus allen Quellen ab und gilt für Vitamin D₂, Vitamin D₃ und Calcidiol-Monohydrat gleichermaßen. Nach den vorliegenden Zufuhrdaten überschreiten europäische Bevölkerungen den UL laut EFSA voraussichtlich nicht, mit Ausnahme regelmäßiger Anwender hochdosierter Nahrungsergänzungsmittel.

Der Höchstmengenvorschlag des BfR ist etwas anderes als ein UL

Das BfR schlägt in seiner Stellungnahme 007/2024 für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 20,0 µg je Tagesverzehrempfehlung für Jugendliche und Erwachsene vor. Der Rechenweg ist offengelegt: Vom UL von 100 µg pro Tag wird der Basisverzehr in der 95. Perzentile der 15- bis 17-Jährigen von 7 µg abgezogen; die verbleibenden 93 µg werden je zur Hälfte auf Nahrungsergänzungsmittel und sonstige Lebensmittel aufgeteilt, was 46,5 µg ergibt; darauf wird ein Unsicherheitsfaktor von 2 angewandt und auf 20 µg abgerundet. Für die Anreicherung nennt das BfR 1,5 µg je 100 g für Milch und Milchprodukte, 5,0 µg für Brot und Getreideprodukte außer Feinbackwaren und 7,5 µg für Streichfette und Speiseöle. Ein solcher Vorschlag ist eine Empfehlung an das Risikomanagement, kein verbindlicher Grenzwert.

Was ist über Überdosierung belegt?

Über die Sonne ist sie nicht möglich, über hohe orale Zufuhr schon. Bei exzessiver UV-B-Bestrahlung werden Prävitamin D₃ und Vitamin D₃ in der Haut zu inaktiven Photoprodukten abgebaut; das ist laut EFSA der Mechanismus, der eine Toxizität durch Sonnenexposition verhindert.

Angezeigt wird eine Intoxikation nach Darstellung des BfR durch erhöhte Calciumwerte im Serum; als Symptome nennt es unter anderem Müdigkeit, Muskelschwäche, Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Arrhythmie und Verkalkung weicher Gewebe. Eine andauernde Hyperkalzämie kann zu Nierensteinen, Nierenverkalkungen und einer Abnahme der Nierenfunktion führen; wegen der langen Halbwertszeit von 25(OH)D kann das Syndrom laut EFSA nach Absetzen noch Wochen bis Monate fortbestehen. Als laborchemisches Kennzeichen einer Vitamin-D-Intoxikation gelten nach Marcinowska-Suchowierska und Kollegen (2018) Serumkonzentrationen oberhalb von 375 nmol/l, also 150 ng/ml; das BfR hält daneben fest, dass eine Hyperkalzämie mit großen individuellen Unterschieden bereits ab 25(OH)D-Serumkonzentrationen von 160 nmol/l aufwärts beobachtet werden kann. Das BfR führt vier veröffentlichte Fälle aus Deutschland auf: eine 78-jährige Frau mit akutem Nierenversagen unter 10.000 IE, also 250 µg pro Tag; einen 60-jährigen Mann mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz unter 50.000 IE, also 1.250 µg pro Tag; einen sieben Monate alten Säugling, der statt der verordneten 500 IE pro Tag monatelang etwa 40.000 IE erhielt, mit einem 25(OH)D-Wert über 600 ng/ml; und einen dreijährigen Jungen, dem wiederholt fast eine ganze Pipette eines Präparats mit 5.000 IE je Tropfen gegeben wurde. In zwei der vier Fälle lag eine Verwechslung oder Fehlanwendung durch Angehörige zugrunde.

Unterhalb der Intoxikationsschwelle sind ebenfalls Effekte beschrieben. Das BfR verweist auf klinische Studien, in denen bereits 4.000 IE, also 100 µg, täglich über längere Zeit die Knochendichte bei älteren Frauen stärker verringerten und das Sturzrisiko erhöhten als Placebo oder geringere Dosierungen. Zu Bolusdosen hält es 2025 fest, dass etwa 500 µg alle 20 Tage Konzentrationen erreichen können, die Studien zufolge Risiken mit sich bringen, insbesondere bei bereits sehr gut versorgten Personen. Ein Cochrane-Review von Bjelakovic und Kollegen (2014) mit insgesamt 56 auswertbaren Studien und 95.286 Teilnehmenden fand für Vitamin D₃ zusammen mit Calcium ein erhöhtes Risiko für Nierensteine; diese Schätzung stützt sich auf vier der eingeschlossenen Studien mit 42.876 Teilnehmenden (relatives Risiko 1,17; 95-%-Konfidenzintervall 1,02 bis 1,34). Das IOM formulierte 2011 allgemeiner, höhere Werte seien nicht durchgängig mit größerem Nutzen verbunden gewesen, und für einige Endpunkte seien U-förmige Zusammenhänge beobachtet worden.

Unterscheiden sich D₂ und D₃ im gemessenen Status?

Die Richtung ist über drei Meta-Analysen konsistent, die Größe hängt vom Dosierungsregime ab. Tripkovic und Kollegen fanden 2012 über sieben Studien mit 1.016 Teilnehmenden eine gewichtete mittlere Differenz von 15,23 nmol/l zugunsten von D₃, Balachandar und Kollegen 2021 über 24 Studien mit 1.277 Teilnehmenden 15,69 nmol/l, van den Heuvel und Kollegen 2024 bei täglicher Dosierung und LC-MS/MS-Analytik minus 10,39 nmol/l für D₂.

Der oft zitierte Befund von 2012 wird allerdings von Bolusgaben getragen: In der Subgruppe der drei Bolusstudien betrug die Differenz 34,10 nmol/l, in der Subgruppe der täglichen Gabe von 1.000 bis 4.000 IE dagegen 4,83 nmol/l und war mit einem p-Wert von 0,10 nicht statistisch signifikant. Zwei Befunde verändern die Interpretation zusätzlich: D₂ und D₃ heben ihre jeweils korrespondierende hydroxylierte Form vergleichbar stark an, sodass der Unterschied nur das gemessene Gesamt-25(OH)D betrifft, und bei einem Body-Mass-Index über 25 kg/m² verliert er in der Analyse von 2024 die Signifikanz. Die EFSA behandelt beide Formen im UL identisch und führt den Vergleich 2023 als offene Forschungsfrage auf.

Fazit

Vitamin D hat keinen einzelnen maßgeblichen Wert, sondern eine Familie von Zahlen mit je eigenem Zweck, Gremium und Ableitungsjahr. Der Kennzeichnungswert von 5 µg pro Tag geht auf eine Konsultation von 1988 zurück, der Adequate Intake der EFSA von 15 µg pro Tag auf eine Meta-Regression von 2016, der DGE-Schätzwert von 20 µg pro Tag auf eine Ableitung von 2012; die Obergrenze von 100 µg pro Tag stammt aus einer Risikobewertung von 2023 und ist ausdrücklich kein Zielwert. Bei der Zielkonzentration von 50 nmol/l stimmen IOM, EFSA, DGE, RKI und BfR überein; die Endocrine Society hat ihren abweichenden Zielwert von 75 nmol/l 2024 zurückgezogen, ohne einen neuen zu setzen.

Die zweite Unsicherheit liegt in der Messung: Ringversuche zeigen Abweichungen zwischen Laboren, die groß genug sind, um die Zuordnung zu einer Kategorie zu drehen, und die nachträgliche Standardisierung derselben deutschen Blutproben halbiert den Anteil unter 30 nmol/l. Die Einordnung eines individuellen Laborwerts ist eine ärztliche Frage.

Häufige Fragen

Warum wird 25(OH)D gemessen und nicht die aktive Form?

25(OH)D hat eine mittlere Halbwertszeit von 13 bis 15 Tagen und spiegelt den Status über Wochen. Calcitriol hat eine Halbwertszeit im Stundenbereich, liegt rund tausendfach niedriger und wird eng reguliert; die EFSA hält fest, dass es als Marker für Zufuhr oder Status nicht verwendbar ist. Bei einer Überdosierung ist es sogar unverändert oder erniedrigt, während 25(OH)D erhöht ist.

Widersprechen sich 5, 15 und 20 µg pro Tag?

Nein, weil sie nicht dieselbe Frage beantworten. 5 µg ist ein Bezugswert für die Prozentangabe auf Etiketten, zurückgehend auf eine FAO/WHO-Konsultation von 1988; 15 und 20 µg sind ernährungswissenschaftliche Referenzwerte von EFSA (2016) und DGE (2012) für den Fall minimaler oder fehlender Hautsynthese. Dass die beiden letztgenannten trotz gleicher Zielkonzentration auseinanderliegen, ist in den Quellen nicht aufgelöst.

Was bedeutet ein Serumwert zwischen 30 und 50 nmol/l?

Das hängt von der herangezogenen Klassifikation ab: Das NIH Office of Dietary Supplements führt diesen Bereich als generell unzureichend, das RKI als suboptimal, das BfR als mit erhöhtem Risiko für eine nicht adäquate Knochengesundheit verbunden. Nach der Ableitungslogik des IOM liegt darin mit 40 nmol/l der Medianbedarf der Bevölkerung. Eine Krankheitsdiagnose ist mit dem Bereich in keiner der Quellen verbunden; die Bewertung eines Einzelwerts ist ärztlich zu klären.

Lässt sich Sonnenexposition in Mikrogramm umrechnen?

Aus den vorliegenden Quellen nicht. Die DGE hält fest, dass sich die Bildung in der Haut weder bei Einzelpersonen noch pauschal mengenmäßig bestimmen lässt. Die konsentierte Empfehlung mehrerer deutscher Institutionen, getragen unter anderem vom Bundesamt für Strahlenschutz und vom Robert Koch-Institut, nennt eine Expositionsdosis, aber keine daraus resultierende Serumkonzentration.

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.